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Mit dem Fahrtwind der Liebe

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Mit dem Fahrtwind der Liebe | story.one

Aus dem Bett seines über alles geliebten Menschen kommend … nicht ganz. Das mit ›aus dem Bett kommend‹ stimmt, auch der ›geliebte Mensch‹ ist es. Nur, vielleicht ist der über alles geliebte Mensch lediglich ein über vieles geliebter Mensch?! Doch es ändert nichts: Auch aus dem Bett seines über vieles geliebten Menschen zu kommen ist genau so, wie aus dem Bett seines über alles geliebten Menschen kommend … und dann noch verschlafen in einem im Dämmern versunkenen, sehr frühen Morgen mit dem Fahrrad ins Tal zu rollen … es ist mein nicht erklärbares Daseinsglück.

Die Haustüre der zu dieser frühen Stunde noch nach zusammengehörigen Körpern verlockend duftenden Wohnung, diese Türe zwischen den aufgewärmten Zimmern und der erfrischenden Dunkelheit fällt hinter mir zaghaft ins Schloss. Hier auf der Höhe, weit über den Dächern des Stadtzentrums im Talkessel, bricht bereits pflichtbewusst der Morgen an. Ich ahne ihn mehr, als dass ich ihn wahrnehme. Im Gegenteil, ich fühle einzig die Tiefe der Nacht, unsere Nacht, in der ich mich eben aus dem Bett eines über vieles geliebten Menschen gelöst habe.

Durchkühlte Nachtluft, noch von keinem Sonnenstrahl gestreichelt. Kühle Morgenluft, von der Nacht noch fest umarmt. Ich, ein einzelner Mensch, auf dem Fahrrad unterwegs. Ohne Licht, um diese frühe Morgenstunde nicht zu wecken. Die Luft, rasender Fahrtwind, brennt in meinen Augen, die Tränen schmecken nach Glück. Im Ohr wirbelt sie Le Petite Phrase – La Sonate de Venteuil … die durchliebte Nacht klingt mit.

Auf der Fahrt herunter ins Tal zunächst im von Bäumen umwölbten Laubdunkel erdiger Wege, weiter unten dann im menschenleeren Laternenlicht, das unbehelligt auf asphaltierte Straßen fällt. Mit wehendem Pedalschwung schwinge ich direttissimo ins Büro. Der Duft von drei unter turbulentem Hochdruck gefüllten Caffètassen dringt in meine Nase, bevor die köstlich schwarzbraune Flüssigkeit zielstrebig über den Gaumen in Richtung Magen mäandert. Mit dem noch trägen Gedanken, dass Caffè auch eine erotisierende Duftnote für ein Frauenparfum ausstrahlen würde, hangle ich mich an den Schreibtisch, stolpern meine Finger ungelenk über die Tastatur vor mir.

Für heute zugesagt: einen redaktionellen Beitrag über Nebenantriebsgetriebe bei landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen zu liefern. Mein Credo: Ich gebe mein Wort, und halte es auch. Langer Text, kurzer Sinn: Meine Gedanken leben immer noch in einer anderen Welt – dort, wo die Liebe im körperlichen Zusammenspiel ineinander verschmilzt. Warum also nicht auch Techniker emotional von der perfekten Verzahnung von Haupt- und Nebenantriebsgetrieben überzeugen statt mit unerotischen Zahlen und Fakten zu glänzen?! Bei aller Liebe, man darf doch auch mal seinen Wortschatz ausreizen dürfen.

Es ist Zeit, davon wieder runterzukommen und hochzuradeln. Ein köstliches Essen soll es geben. Die Liebe rauscht ja bekanntlich auch durch den Magen … mal spüren, was der Nachtisch verspricht.

© Bernd Lange 2021-05-19

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