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#reisen#menschen#bestefreunde

Rückblende f/5,6 · 1/60Sek · ISO 200

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Rückblende f/5,6 · 1/60Sek · ISO 200 | story.one

𝘗𝘳𝘰𝘭𝘰𝘨

Meine rechte Gehirnhälfte wirbelte im Saft der Ideen, Kaskaden von Gedankenblitzen stürzten aus den Synapsen … Es geschah zu einer Zeit, in der es für mich kein Halten gab: Meine Appetenzen brauchten Raum zur Entfaltung. Und ich brauchte natürlich Brot und Wasser zum Leben, gab meine linke Gehirnhälfte zu bedenken.

Zwei diametrale Faszinationen verschmolzen zur Symbiose: meine Liebe zu Italien und mein Leben mit Worten. Und da sich dabei noch ein inspirierender Impuls anschmiegte, gabs Chaos – der Vulkan explodierte, Lava ergoss sich übers Papier: »In meinen Bildern erscheint das, was ich immer gesucht habe. Denn es erscheint in ihnen jemand, den man freilich als Figur nicht sieht. Aber er ist in den Bildern, und zwar als einer, der selbst betrachtet. Es erscheint das Staunen der Menschen über das Dasein und Sosein der Dinge.« – Worte aus dem Roman »Das Grau der Karolinen« von Klaus Modick, der bis heute zu einem meiner Lieblingsschriftsteller zählt.

Der Vulkanausbruch nahm Fahrt auf. Die anfangs unreife Idee nahm Gestalt an. Das Projekt – ein Wort-Bild-Kalender – bekam einen Namen: »Verwurzelt mit der Insel«. Fotografierte Poesie mit 12 Bildern in Geschichten, mit 12 Geschichten in Bildern über Elba. Mit Bildern einer Insel, Momentaufnahmen, die den Augenblick erleben lassen. Mit Worten von Elbani, die ihr Bild von der Insel lebendig machen …

Sie waren mit Feuer & Flamme dabei: Ein befreundeter Grafiker, der ein grandioses Layout hinzauberte. Ein kollegialer Lithograf, der hochklassige Repros und Druckvorlagen schmiedete. Sein Bruder, Kunstdrucker, der brillante Andrucke vorlegte. Und ich, der diesem hochkarätigen Team eine Steilvorlage liefern musste.

Ich reiste nach Elba, im Gepäck einen jungfräulichen Moleskin, eine Fotokamera und reichlich Filme. Bewegte mich für Wochen kreuz und quer über die Insel. Begegnete unzähligen Elbani, die zeit ihres Lebens ihre Insel nicht verlassen hatten, weder mit dem Schiff noch schwimmend im Meer. Redete mit ihnen in Bars, am Strand, unter Bäumen, auf Felsen, vor Brunnen und Kirchen, auf ihren Feldern, vor ihrem Haus im Garten, im Hafen in ihren Booten …

Habe sie kaum verstanden – sie in ihrem Dialekt, ich mit meinem rudimentären Italienisch. Und doch fühlte ich, was in ihren Augen glänzte, was in ihren Händen zu lesen war, was aus ihren Gestiken sprach. Sie zeigten mir ihren Lieblingsplatz, ich gab ihnen die Kamera, schaute zu, wie sie ihren schönsten Blickwinkel fanden. Mit vollgeschriebenen Seiten, mit zahllosen Dias und Fotos fuhr ich zurück …

Die Layouts, die ersten Andrucke lagen vor – wie gehabt: allseits Feuer & Flamme. Die nur wenige Tage später zur traurigen Realität wurden: Die Druckerei und mit ihr alle Vorlagen zerstörte ein Brand. Wir waren es am Boden.

𝘌𝘱𝘪𝘭𝘰𝘨

Jüngst fielen mir beim Entstauben die Restbestände in die Hände. Ob mirs gelingt, damit noch Kohlen aus dem Feuer zu holen, um die Erinnerungen daran noch einmal aufflammen zu lassen?!

© Bernd Lange 2021-06-25

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