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#begegnungen#bühnenleben#kulturgeschichten

Wie es mir gefällt …

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Wie es mir gefällt … | story.one

48°21'36" N, 9°8'48" O − 732 m ü. NN − exakt in diesem geografischen Koordinatenkreuz liegt Melchingen inmitten der Schwäbischen Alb. Ein Dorf mit einem Dorfladen, einer Metzgerei, einer Gärtnerei, drei Wirtshäusern, drei Windrädern und vielen freundlichen Menschen − nicht einmal 1.000 sind es, die dort leben … entnehme ich der Chronik. Und: Dort in diesem Dorf steht die Keimzelle eines ganz großen Theaters − ohne Superlative zu bemühen − im Theater Lindenhof strahlen im Scheinwerferlicht die Bühnenbretter, die die Welt bedeuten.

⟩Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frau'n und Männer bloße Spieler⟨

Das Melchinger Theater Lindenhof macht aus einem Stück Erde eine Bühne. Nimmt das Publikum mit auf ihre Welt der Bühne, macht alle Frauen und Männer zu Mitspielern … Mitläufer, Mitsteher, Mitsitzer, Mitfahrer, Mitesser, Mittrinker, Mittänzer, Mitdenker − ohne sie geht es nicht. Wie es mir gefällt: Nicht hinsetzen und zuschauen, wenn mir das Leben auf der Bühne vorgespielt wird, sondern mitmachen, wenn auf den Brettern der Welt das Leben spielt.

⟩Freude des Daseins ist groß, Größer die Freud' am Dasein⟨

Die Freude am Dasein, die Freude im Dabeisein … der Melchinger Lindenhof schafft Bewegung, öffnet den Blick aufs Geschehen − auf Räume, auf Zeiten, in denen das wahre Leben sein Dasein, seine Rolle spielt. Mit dabei sein …

… wenn es beim Tübinger Sommertheater mit dem Neckar herab geht

Auf den Spuren Friedrich Hölderlins durch sein Tübingen − es wird kein Theater gespielt, es ist der Auftritt seines Werkes. Die Schauspieler setzen ihr Spiel selbst aufs Spiel. Hölderlin missbraucht sein eigenes Werk, reißt von seinem Turm über dem Neckar das Publikum auf der Neckarinsel mit in die Geschichte seines elenden Lebens − eine von Verzweiflungen gezeichnete Geschichte, die sich nicht erzählen lässt.

… wenn es himmelbergwärts geht, eiskalter Albwind den Schnee ins Gesicht brennt

Peter Härtlings Winterreise findet sich auf keiner Landkarte − Franz Schubert, der ewig getriebene Meister der Einsamkeit und Entwurzelung, lockt das Publikum auf dem Klavier mit seinen vor Frost klirrenden Melodien in eine Unendlichkeit, die im Nebel über der verschneiten Albhöhe nicht auszumachen ist. Die Zuhörer werden zu Kopfwanderern in eine Welt, die ihren Sommer verbraucht und den Winter im Griff hat.

… wenn der Pfiff ertönt und der Ruf ›Einsteigen bitte!‹

›Eine Bahnfahrt und der Raum entschwindet‹ − einsteigen, mitnehmen lassen, verführen lassen … das Sommertheater Lindenhof bringt Anbahnungen auf die Schiene. Von Tübingen über Eyach, Stetten, Hechingen und zurück werden Schauspieler und Publikum zu verbündeten Reisenden auf einer Bahnfahrt über die Schwäbische Alb, finden Anschluss an eine 100jährige bewegende Epoche der Hohenzollerischen Landesbahn.

Wie schreiben es die Anstifter des Melchinger Theaters Lindenhof in ihrer Grußbotschaft zur neuen Theatersaison: ⟩Es ist der Freude wert, dies Leben⟨ − dem ist nichts hinzuzufügen.

© Bernd Lange 2022-02-03

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