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Exkursion in die Welt

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Exkursion in die Welt | story.one

Es gibt durchaus Welt in meinem Leben. Da gibt es den PC und das Telefon, den BĂ€cker und die Apotheke und ein paar Termine. Den Garten und vor allem den Wald.

Manchmal jedoch muss eine Exkursion sein. Hinaus in die große Welt. Mit all meinen derzeitigen Handicaps. Hinaus in die Sonne, auf den Asphalt, Sonnenbrille und Maske nicht vergessen, Kappe, Jacke, Schal, die passenden Schuhe, Tasche und Geld natĂŒrlich. Hinaus und Abstand halten, Schlange stehen. An vieles ist zu denken. Eine gute AusrĂŒstung ist alles.

Vor zwei Tagen war es wieder einmal so weit.

Hinein ins StĂ€dtchen. Da sind Straßen, da sind Menschen, da sind tatsĂ€chlich geöffnete GeschĂ€fte, da sind Tische und StĂŒhle draußen, wo man essen kann.

Ich will es hinter mich bringen. Zuerst zur Post. Pflichtexemplare meines Buches mĂŒssen an die Bibliotheken. Und ich staune: Man nimmt sich Zeit, es finden GesprĂ€che statt! „Einschreiben, Express oder Einwurf?“ Ich entscheide mich letztlich fĂŒr den Einwurf.

Auch beim Optiker muss ich lange vergrabene Dialoge hervorholen. Auch er hat Zeit fĂŒr mich, ich darf die einzige sein in seinem GeschĂ€ft.

Und dann geschieht das Wunder: Ich gehe shoppen! So, wie ich es mag: im Vorbeigehen. Auf dem Gehweg. Von der Stange. Dort hĂ€ngt ein HĂ€ngerkleid, mĂŒsste passen. Die VerkĂ€uferin ist der gleichen Meinung.

Ab zum Eisenbach-See! Der Kiosk hat offen. Wir sind die ersten Kunden. Das ist fĂŒr mich „Sommeranfang“: die erste Rote im Jahr, auf der Bank unter den Eichen am See. Und der Sommer beschenkt mich außerdem mit Regen, ich sehe tropfendes Licht. Und ein Reh.

Und weil es so schön war, begeben wir uns am nĂ€chsten Tag, also gestern, gleich auf die zweite Exkursion ins StĂ€dtchen. Doch die Sonne steht auf Angriff. Der Optiker ist zwar immer noch nett, der FahrradhĂ€ndler dagegen weniger: Das GesprĂ€ch ist einseitiger, ob wir denn keine Nachrichten schauen wĂŒrden, E-Bikes gebe es zurzeit nicht. Dazu der Fehlkauf vom Vortag: Bei dem Kleid hatte ich mich wohl um 40 Jahre verschĂ€tzt, muss es umtauschen. Ich erhalte ein wirklich weites, eins mit großen bunten Federn darauf. Darin sehe ich nun aus wie ein großer bunter, etwas ĂŒberfĂŒtterter Spatz.

Apropos Spatz. Da sind sie wieder, diese Kamikaze-Spatzen. Auf der Fahrt zum See schießen sie vor dem Auto quer ĂŒber die Straße. Sind sie freilaufende Autos nicht mehr gewohnt? Schon kommt ein EichelhĂ€her hinterhergeschossen, knapp ĂŒber die Motorhaube.

Am See ist es endlich friedlich. Ein Naturfilm, der nur fĂŒr uns gedreht wurde. Wir sitzen in der ersten Reihe, genießen die zweite Rote.

Und heute die dritte. Allerdings ist es heiß am See und windig und voll und laut. NatĂŒrlich, es ist ein Badesee, der zieht Menschen an, glĂŒckliche Menschen. Menschen, die lachen und rufen und alles aufpumpen, was aufzupumpen geht. Na ja, baden können wĂ€re schön und heute Abend das erste Open-Air-Konzert hier besuchen. Aber 


Es tut mir leid, liebe Welt, es reicht fĂŒrs Erste. Beim nĂ€chsten Regen sehen wir uns wieder. Oder im Wald. Mit Notizbuch.

© Brigitte Hieber 2021-06-12

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