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#möbel#kaufrausch

Der unsichtbare Lift-Dieb

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Der unsichtbare Lift-Dieb | story.one

Ich sitze gerade im Homeoffice und überlege, was ich heute nach Feierabend noch unternehmen werde. Als wäre es Gedankenübertragung, bekomme ich eine whatsapp-Nachricht von meiner Schwester, ob ich nicht Lust hätte noch mit zu Ikea zu fahren. Sie braucht eine größere Kommode. Das muss sie mich natürlich nicht zweimal fragen, irgendwas braucht man ja immer. Und ja, dieses Klischee hier jetzt anzuführen zu müssen, schmerzt in meiner Schreibhand, aber - wenn es auch nur die berühmt-berüchtigten Teelichter sein werden.

Bei der Parkplatzsuche steuern wir natürlich eine ausgangsnahe Lücke an um dem lebensgefährlichen Parkplatzverkehr so weit es geht ausweichen zu können, wenn wir unsere Schätze zum Kofferraum bringen werden. Da wir Gott sei Dank wissen, was wir brauchen, gehen wir schnellen Schrittes und uns kaum nach links und rechts schauen trauend durch die verlockenden Gänge endloser Accessoires. Im Einkaufswagen sind bisher nur Kochutensilien gelandet, puh sind wir stark. Endlich bei den Kleinmöbeln angekommen, fotografiert meine Schwester das Schild an der Kommode und wir kämpfen uns durch den letzten Abschnitt des sündigen Kaufrausches.

Die 3 Schachteln zur Kommode sind rasch im Wagerl verstaut, wobei mich erste Zweifel überkommen, dass die große Schachtel im desolaten Golf Platz haben wird. Aber we'll see. Vorher pumpen wir noch voller Freude unser Geld auf das schwedische Konto und zielen den Ausgang an. Wir quetschen, verrücken, zerdrücken und malträtieren den armen VW so lange bis alles drin ist. Ich klebe dadurch die ganze Fahrt an der Windschutzscheibe, nur gut, dass ich klein und kompakt bin, wie ein Teelicht (hüstel, sorry).

Unser Abenteuer endet in der Tiefgarage. Nur noch wenige Schritte bis zum Lift und wir haben es geschafft. Die schwere Brandschutztür treten wir beinahe auf, als wäre sie schuld an unserer körperlichen Ertüchtigung. Da, ich sehe ihn schon, eine Wasserquelle in der Wüste, der heilige Aufzug. Wir schmeißen nun hektisch motiviert durch das Ende der Plagerei, die Kartons hinein und schicken sie schon mal los. Meine Schwester huscht noch mal zum Auto um die Sitze wieder zurechtzurücken während ich die Treppe hochsprinte. Als ich in freudiger Erwartung vor dem Lift stehe. Ist er leer. Mir klappt die Kinnlade runter. Verschwunden? Gestohlen? Eine Kommode? Oh nein. Zerknirscht blicke ich meiner Schwester entgegen, die um die Ecke biegt. Enttäuscht und spekulierend stapfen wir zur Wohnung und rätseln vor uns hin.

Siehe da, dort lehnen die Kartons. Doch kein Dieb, sondern ein Heinzelmännchen. Danke!

© Carina Allerstorfer 2021-08-29

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