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#abenteuer#tauchen#walhai

Christmas on Christmas Island

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Christmas on Christmas Island | story.one

Nicht zu Weihnachten waren wir dort, sondern im November. 1996.

Schroff und abweisend ist die zu Australien gehörende Insel und entspricht so gar nicht dem Klischee von langen SandstrĂ€nden, Palmenhainen und sanfter Brandung. Wir waren vorgewarnt, ließen uns bewusst auf das Abenteuer am anderen Ende der Welt ein.

Als der englische Seefahrer William Mynors auf die Vulkaninsel im Indischen Ozean stieß, schrieb man den 25. Dezember 1643. Ergo nannte er sie Christmas Island. Nicht zu verwechseln mit den 100 Jahre spĂ€ter von James Cook entdeckten Weihnachtsinseln im Pazifik. Das ist eine andere Geschichte.

Unsere Insel ist mit 135 kmÂČ wenig grĂ¶ĂŸer als der Lungau und liegt sĂŒdlich von Indonesien etwas unterhalb des Äquators.

Wir kommen an in der Gewissheit, dass vor uns noch keine zehn Österreicher ihren Fuß auf das Eiland gesetzt haben. Dreimal die Woche steuert eine kleine Fokker von Singapur oder Jakarta Christmas Island an. Die Einreisekontrollen sind streng. Die Sache wird ernst genommen, doch angesichts unserer TauchausrĂŒstung wechselt das GesprĂ€ch schnell von den FormalitĂ€ten zu den besten TauchplĂ€tzen und der Frage, ob denn schon Walhaie vor der KĂŒste gesichtet worden seien. Noch öfter werden wir dem freundlichen Zöllner begegnen. Eigentlich ist er Polizist. Keiner hat hier nur einen Job. Auch die Dame, die unser GepĂ€ck checkt, wird uns spĂ€ter Pizza servieren.

Gleich bei der Ausfahrt aus dem FlughafengelĂ€nde kreuzen die ersten Landkrabben unseren Weg. Die Insel ist bekannt fĂŒr ihre rund 80 Millionen feuerroten faustgroßen Schalentiere. Einmal im Jahr, zu Beginn der Regenzeit im November, strömen sie in der grĂ¶ĂŸten Wanderungswelle des Tierreichs hinunter zur KĂŒste, um sich dort zu paaren. Das Ablaichen der Weibchen im Meer zieht die Walhaie an. Das Spektakel hatte bereits begonnen.

Nur 2000 Bewohner leben auf der Insel. WĂ€hrend unseres Aufenthalts sind wir die einzigen Touristen. Abgesehen von einem Ostberliner, der die Reise beim GlĂŒcksrad auf SAT1 gewonnen hat. Die einzige Siedlung heißt bezeichnenderweise The Settlement. Die Community prĂ€gen Australier im weitesten Sinne, egal ob ursprĂŒnglich aus Nordamerika, China oder Grönland. „Hi, my name is Roo, as in Kanguroo“, stellt sich ein bĂ€rtiger Mann vor. Man zeigt auch in Kleinigkeiten Nationalstolz. Schnell lernen wir die bunte Gemeinde kennen, die Menschen und ihre Geschichten. Celia, das HippiemĂ€dchen aus London, hat dort in den spĂ€ten 60ern die Beatles im Pub ums Eck spielen gehört. Patch war Mitglied einer berĂŒchtigten Rockerband. Auch er ist hier gestrandet und darf nicht mehr zurĂŒck aufs Festland. So ist die Insel Zufluchtsort fĂŒr Outlaws und Aussteiger, LebenskĂŒnstler und Naturfreaks.

60 Millionen Jahre alt ist das einzigartige Biotop. 16 Pflanzenarten finden sich nur hier ebenso wie vom Aussterben bedrohte Vogelarten. Die Begegnung mit dem Wahlhai blieb uns verwehrt. Vielleicht hÀtten wir ja doch noch bis Weihnachten bleiben sollen.

© Caroline Kleibel 2021-02-14

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