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#weihnachten#tierliebe#wagemutig

Ein Löwe zum Weihnachtsfest

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Ein Löwe zum Weihnachtsfest | story.one

Alles begann im vorweihnachtlichen swinging London des Jahres 1969. Der Ausgang war ein nicht wirklich durchdachten Kauf zweier junger Männer, John Rendall und Anthony „Ace“ Bourke. In der Tierabteilung des Traditionskaufhauses Harrods erstanden die beiden in weihnachtlicher Kauflaune ein drei Monate altes Löwenbaby. Ein Zootier, dessen Vorfahren seit Generationen in Europa lebten.

Ebenso erstaunt wie erfreut war ich, bei einer Safari in Kenia 2010 John Rendall persönlich zu begegnen. Weißhaarig und edel gealtert, war er Reiseleiter einer Gruppe älterer Engländerinnen, die gebannt an seinen Lippen hingen, als er ihnen lebhaft seine unglaubliche Geschichte schilderte. Eine Geschichte, die 10 Millionen YouTube Fans aus aller Welt kennen und lieben. Damit, dem Protagonisten dieser Herz-Schmerz Story leibhaftig zu begegnen, hatte ich nicht gerechnet. Im Gespräch erzählte Rendall von jenem denkwürdigen Kauf, der sein Leben so nachhaltig veränderte.

Harrods hatte damals eine Abteilung für Wildtiere und warb damit, jedes Tier besorgen zu können. Dort, in einem kleinen Käfig, saß dieses Löwenbaby. John und Ace zerflossen vor Mitleid. Jeden Abend besuchten sie den Kleinen. Er war die Attraktion der Vorweihnachtszeit. Doch als er eines Nachts aus dem Käfig ausbrach, war seitens der Geschäftsleitung Schluss mit lustig. Kurz entschlossen kauften die beiden ihn für einen Betrag von 5.300 Euro. Darüber, wie man einen Löwen hält, hatten sie sich vorab nie Gedanken gemacht. Das Tier war zahm, zutraulich und ausgesprochen intelligent. Der neue Mitbewohner bekam den Namen Christian.

Aus Kindern werden Leute. So wurde auch das Löwenbaby groß und konnte nicht ewig in der Wohnung gehalten werden. Wie sich zeigte, war Christian nicht nur intelligent, sondern auch von Glück gesegnet. Zufällig schlossen John und Ace Bekanntschaft mit dem Schauspielerehepaar Virginia McKenna und Bill Travers, die in „Born Free“ George und Joy Adamson dargestellt hatten. In den späten Sechzigern war dieser Film über die verwaiste Löwin Elsa, die von den Adamsons aufgezogen und später in die Freiheit entlassen worden war, sehr erfolgreich gewesen. Virginia McKenna stellte den Kontakt nach Kenia her. Einfach war es nicht, Christians Rückkehr nach Afrika zu organisieren. Auch für den Löwen muss die Reise eine Herausforderung gewesen sein.

Inzwischen ein Jahr alt wog er stolze 150 kg. Trotz des viel zu üppigen Winterpelzes, der nicht dschungeltauglichen Samtpfoten und etlicher Kilos Übergewicht – oder gerade deshalb – gelang es ihm, sich in seiner fremden Heimat einzuleben. Bald schon konnte Christian in die Freiheit entlassen werden. Der Abschied von ihm fiel John Rendall unendlich schwer. Nach einem Jahr kamen er und sein Freund Ace zu Besuch, unsicher, was sie erwarten würde. Würde Christian sie wiedererkennen? Er tat es. Der Rest ist Geschichte. Die wunderschöne Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

© Caroline Kleibel 2020-11-25

corcooning

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