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My Sound of Music

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My Sound of Music | story.one

So cool meine US-Gastfamilie, bei der ich 1980 ein Jahr verbrachte, auch war, kurz vor Weihnachten wurden sie wunderlich. Ich sollte mich zu ihnen aufs Sofa setzten, eine Packung PapiertaschentĂŒcher neben mir, und mit ihnen gemeinsam einen Film ansehen. Die TaschentĂŒcher waren fĂŒr den Fall, dass ich unbĂ€ndiges Heimweh bekĂ€me. In dem Film ging es nĂ€mlich um eine Österreichische Volksliedgruppe, die vor den Nazis von Salzburg in die USA fliehen musste. Die bereitgestellten TĂŒchlein verwendete ich dann tatsĂ€chlich, aber nur, um meine LachtrĂ€nen zu trocknen. Selten zuvor hatte ich so einen genialen Kitsch gesehen. Sogar ich als geografisch schlecht aufgestellte Tirolerin wusste, dass man nie und nimmer ĂŒber den Untersberg in die Schweiz fliehen konnte. Wenn das schon ein SchmĂ€h war, was war dann noch alles frei erfunden in diesem Herz Schmerz Drama, das auf Doku machte?

Ich hatte den Film zuvor nie gesehen, auch nicht davon gehört. Zum ersten Mal war mir die Filmmusik begegnet als mich meine Gasteltern bei meiner Ankunft am Busbahnhof mit einem Lied namens „Edelweiß“, empfingen, das sie fĂŒr die Österreichische Nationalhymne hielten. Schon damals war ihre EnttĂ€uschung groß, dass ich nicht in den Gesang einstimmen konnte, ja das Lied nicht einmal kannte.

Trotzdem war mein Interesse geweckt und ich begann, mich mit der Story der Trapp Familie zu beschĂ€ftigen. Immerhin wollte ich ja nach meiner RĂŒckkehr aus den USA zum Studium nach Salzburg ziehen. Da schien es angebracht, sich fĂŒr die lokale Geschichte zu interessieren, die scheinbar die ganze Welt kannte. Nur ich nicht!

WĂ€hrend meines Studiums der Publizistik arbeitete ich freiberuflich bei den “Salzburger Nachrichten” und erhielt von der Redaktion den Auftrag, ĂŒber ein Symposium zum 100. Geburtstag der Maria Auguste von Trapp zu berichten Der Artikel brachte einiges an Feedback. Unter anderem von einer betagten ehemaligen SchĂŒlerin der spĂ€teren Baronin von Trapp, die mich sehr bestimmt darauf hinwies, dass FrĂ€ulein Maria nicht als KindermĂ€dchen, sondern als Hauslehrerin bei den Trapps gearbeitet hatte. Und noch eine zweite ehemalige SchĂŒlerin meldete sich, ebenso wie eine Salzburgerin, deren Großmutter um 1930 als Köchin im Haus des Baron von Trapp beschĂ€ftigt war. Ihre Biografie sollte ich aus einem Koffer voller Briefe, Empfehlungsschreiben und Kochrezepten schreiben und ein biografisches Kochbuch zusammenstellen.

Das Buch erschien 2010 und kam prompt auf die Shortlist als eines der weltbesten FrauenkochbĂŒcher. Die Gala in Paris war atemberaubend und mit Sicherheit eines meiner beruflichen Highlights.

SpĂ€ter Maria von Trapp, eine der Töchter des Barons, sowie Mary, die Tochter des Librettisten Oscar Hammerstein kennenlernen zu dĂŒrfen, rundeten mein Eintauchen in die Welt von Sound of Music ab.

Ich war gelÀutert, fand sogar Gefallen an der Saga und empfand es fortan als meine Mission, nach dem Rest der Welt endlich auch Salzburg auf Trapp zu bringen.

© Caroline Kleibel 2021-07-22

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