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Was wurde eigentlich aus…

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Was wurde eigentlich aus… | story.one

…Per Bergerud, Susanne Riess und Peter Fritz? Die Drei sind nicht willkürlich gewählt, sondern waren in irgendeiner Weise mit meiner Arbeit bei der Nordischen Schi WM von 17. bis 27.1.1985 im Tiroler Seefeld verbunden. Nach Einsätzen beim Innsbrucker Bergiselspringen im Rahmen der Vierschanzentournee war ich auch in Seefeld als Pressebetreuerin engagiert worden.

Da war also zum einen der fesche, großgewachsene norwegische Schisprungstar Per Bergerud, der am 22. Jänner auf der Großschanze den Weltmeistertitel gewann. Danach war ich den restlichen Tag damit beschäftigt, Presseaussendungen zu verfassen und Interviewtermine zu koordinieren. Am Abend, ich glaubte zu träumen, fragte er mich, ob ich mit ihm Essen gehen wolle. Sein Deutsch war tadellos, ansonsten konnten wir immer noch auf Englisch switchen. Es wurde ein unvergesslicher Abend, auch wenn ich seine Bestellung etwas eigenartig fand. Er hatte Avocados mit Shrimps gewählt, alles Grüne dann aber fein säuberlich an den Tellerrand geschoben. Als die Servierkraft beim Abräumen fragte, ob es denn nicht geschmeckt hatte, antwortete er treuherzig, er möge eben leider keine Avocados. Auch gut. Am Tag seines großen Triumphs verzieh man ihm jede Schrulle. Heute ist Bergerud Vorsitzender einer Zeitarbeitsagentur, einem der größten Arbeitgeber Skandinaviens.

Susanne Riess war meine Chefin in der Presseabteilung. Über ihren weiteren Weg gibt es nicht viel zu rätseln. Von ihrer Art und ihrem Umgang her war schnell klar, Freundinnen würden wir beide nie werden. Ein autoritärer Stil war ihr schon damals zueigen. Recht machen konnte ich ihr gar nichts und so ging ich ihr weitmöglichst aus dem Weg. Die Frage, was aus ihr geworden ist, erübrigt sich. Susanne “Geh du voran“ Riss stieg später von Jörg Haiders Gnaden zur ersten Vizekanzlerin der Republik auf, was sie in meinen Augen keinen Deut mehr sympathisch machte. Seit 2004 ist sie Generaldirektorin der WüstenrotAG.

Und schließlich war da noch Peter Fritz, mein Lieblingskollege. Mit dichtem schwarzem Bart wie weiland Andreas Hofer und großer Gelassenheit strahlte er so viel Ruhe aus, dass ich mich gerne hinter seinen breiten Schultern versteckte, wenn ich wieder einmal ins riesssche Kreuzfeuer geraten war. Wir verstanden uns blendend, verloren uns aber nach der WM und meiner Rückkehr nach Salzburg aus den Augen. Später staunte ich nicht schlecht, als er mir - frisch rasiert und runderneuert - aus dem TV entgegenstrahlte. Spontan wollte ich ihm winken, so sehr freute ich mich über das Wiedersehen. 1987 hatte der gebürtige Villacher beim ORF angeheuert. In seinen 35 Jahren dort war er nach der Chefredaktion der "Zeit im Bild" als Auslandskorrespondent in Brüssel, Berlin, Washington und Bonn aktiv. Heute leitet er die zentrale Schaltstelle des ORF-Newsrooms für TV, Radio, Online und Social Media und erklärt nach wie vor via Bildschirm die Welt.

Und was ist aus mir geworden? Aber das ist eine andere Geschichte…

© Caroline Kleibel 2022-04-05

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