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Mit Salamandern wandern - Lizard Point

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Mit Salamandern wandern - Lizard Point | story.one

Bei strahlendem Sonnenschein ziehen wir los mit Schirm, Charme und Melone – vielmehr mit Stöcken, Rucksack und Sonnenhut. Der Bus bringt uns zur Lizard Halbinsel. Ein kalter Wind weht vom Meer herein, sodass wir uns richtig dagegenstemmen müssen und die Kniestrümpfe hochziehen. Ein unbeschreiblich schöner Pfad zieht sich vom Kynance Cove zum Lizard Point. Klipp up – klipp down durch karges einsames Gebiet – bizarre Felsformationen aus grünlich schimmerndem Serpentingestein – deshalb Lizard Island (Salamander) genannt.

Der Atlantik schlägt gegen die Klippen – Felsen, die wie Wächter mit ihren Steingesichtern stoisch in die Ferne schauen – dazwischen kleine Sandbuchten. Wie ein Punkt nimmt sich ein Fischer aus, der einsam seine Angel auswirft. Wie kam er da hinunter? – kein Steig ist auszumachen, auch kein Boot – es würde wohl zerschellen an den Klippen.

Lizard Point ist der südlichste Punkt des englischen Festlandes. Die Natur ist wild und chaotisch. Viele Schiffe sind hier schon in Seenot geraten bzw. gestrandet und zerschellt. Hier spielte sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine spektakuläre Rettungsaktion ab. Die SS Suevic war ein Dampfschiff der Star-Line, das 1907 vor der Südküste Englands zerstört wurde. Bei der größten Rettungsaktion dieser Art wurden alle Passagiere und Besatzungsmitglieder gerettet trotz des herrschenden Unwetters. In dem kleinen Cafe, in dem man wunderbare Cornish Pasties serviert bekommt, sind eindrucksvolle Bilder davon zu sehen.

Nicht weit entfernt steht ein weißer Leuchtturm – Bass Point, National Coast-Watch – eine Rettungsstation für Schiffe. Es kommt immer wieder vor, dass an dieser rauen Küste Schiffe in Seenot geraten.

Und dann bin ich mitten in der Rosamund Pilcher Szenerie. Das Housel Bay Hotel steht da – so unglaublich romantisch – mit wildem Rosengarten und ganz vorne an der Klippe eine alte verwitterte Gartenbank – wie zum Träumen hingestellt – umgeben von Hochmoor-Gewächsen intensiv duftend und heidefarbenfroh – tief unten das glitzernde silberne Meer.

Vereinzelt zeigen sich Häuschen – hier trifft der Spruch hundertprozentig zu “my home is my castle”. So pittoresk, so einladend, so poetisch: “Seespray and morning mists, starshine and rising sun, waves that break upon a shore, wind and rain, nature is free. … No matter where you choose to roam, the light of life will lead you home.”

Es gibt viel zu entdecken und zu bestaunen: einen geheimnisvollen algenüberwachsenen, smaragdgrünen Tümpel, eindrucksvolle Pflanzen wie aus Fantasiebüchern, the Devils Frying Pan, also des Teufels Bratpfanne – ein Strudel unter steil abfallenden Felsen, der sich durch einen Tunnel ins offene Meer ergießt. Die Felsen, vielfarbig geädert, was der Küste violette, rote und dunkelgrüne Reflexe verleiht.

Etwas beschreiben wollen, was sich der Sprache entzieht, ist vergeblich, weil es den Augen und dem Gefühl gehört – ich kann nur versuchen meine Begeisterung wiederzugeben.

© Christine Sollerer-Schnaiter 2021-05-04

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