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#freundschaft#empathie#treue

Am Tokyo Dome

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Am Tokyo Dome | story.one

Ohne es zu ahnen, hatte ich ein feines Hotel im Unterhaltungskomplex namens Tokyo Dome City gebucht. Erst nach dem Einchecken ins Tokyo Dome Hotel erforschte ich diesen GebÀudekomplex.

Der Tokyo Dome ist ein Baseballstadion im Stadtteil Kƍraku des Tokioter Stadtbezirks Bunyƍ, der auch als Veranstaltungszentrum fĂŒr Konzerte, Ausstellungen und andere Sportveranstaltungen genutzt wird. Er ist eine der grĂ¶ĂŸten KonzertstĂ€tten in Japan. Viele bekannte Musiker gaben dort Konzerte, darunter Guns N'Roses, Michael Jackson, Prince, Jamiroquai, Sting und PopsĂ€ngerin Hamasaki Ayumi.

Aber nun zum Hotel. Ein Viersternhotel mit 42 Stockwerken! Nach fĂŒnf NĂ€chten in einem 20-Betten-Raum in einer Barackensiedlung war es göttlich, wieder ein gepflegtes Ambiente zu erleben. Ein Wasserfall im Foyer. Mehrere Lifte, die in die Fassade integriert waren und Blicke auf den anliegenden VergnĂŒgungspark und das umliegende HĂ€usermeer ermöglichten.

Dank Booking.com war die gehobene Absteige einigermaßen leistbar. Auf zum ersehnten Zimmer mit reichlich Bewegungsfreiheit, etwas, das in Tokio weit ĂŒberm Standard ist. Tokio ist bekannt fĂŒr kleine Hotelzimmer. Oh weh. Der Geruch nach abgestandenen Rauch ließ mich zurĂŒckprallen. Im Zimmer musste sich vor mir ein Kettenraucher aufgehalten haben.

Die Klimaanlage war auf eine extrem niedrig eingestellt. Arg. Ich konnte die japanischen Schriftzeichen nicht entrĂ€tseln und fror. Nach einer Anleitung suchen? Nicht mehr zu verkraften. Kurzentschlossen reklamierte ich. Innerhalb kĂŒrzester Zeit stand ich in einem angenehm duftenden Zimmer, noch grĂ¶ĂŸer als das vorherige, und ließ mir die Klimaanlage erklĂ€ren.

Nun schnaufte ich dreimal ganz tief durch und begann wieder zu leben. Morgens Ă  la “Archipel Gulag”, abends im Luxus. GemĂŒtliches Bummeln durch Einkaufspassagen und gut beleuchtete Anlagen. Einkehr in einem der vielen kleinen Lokale in der Tokyo Dome City. Ich rief meine Lieben in Österreich an und berichtete, dass ich glĂŒcklich in Tokio gelandet war und mein ganzes Leben nie ein so trostloses Meditieren erlebt habe wie in Chiba.

Meiner Freundin Madoka mailte ich Hotelname samt Zimmernummer und erzĂ€hlte, wie sich das geplante spirituelle Highlight als Fehlschlag erwies. Mein Abbruch des Vipassana-Retreats bedeutete, dass ich fast eine Woche frĂŒher als geplant und vereinbart in Tokio war. Ich wĂŒrde mich erholen und mir einige SegenswĂŒrdigkeiten anschauen, schrieb ich ihr in Vorfreude auf unsere Begegnung.

Da zeigte sich die Empathie, Hilfsbereitschaft und Treue meiner lieben Madoka. Das Hotel in Shibuya, in dem sie fĂŒr uns beide ab dem 20. Oktober ein Zimmer reserviert hatte, sei ausgebucht, mailte sie. Erst in zwei, drei Tagen werde dort ein geeignetes Zimmer frei. Aber sie könne bereits am nĂ€chsten Abend bei mir sein. Zur ÜberbrĂŒckung werde sie in einem Dreisternhotel in Nihonbashi nĂ€chtigen, das sie gut kannte. Ich weinte vor Freude. Wenn das nicht Freundschaft ist!

© Clarissa_Smiles 2021-03-09

Japan XPs

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