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Der Tag des Goldenen Tempels

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Der Tag des Goldenen Tempels | story.one

Der nächste und letzte Tag in Kyoto durfte nicht verbummelt werden. Da packte ich rein, was nur irgend möglich ist, und der Goldene Tempel (oder Goldene Pavillon) musste natürlich auch dabei sein. An diesem Tag benutzte ich mit meinem Touristenticket die öffentlichen Linien so ausgiebig wie nur möglich. Natürlich ist auch Fahren mit Bus und Bahn in Japan ein spannendes Kapitel.

Zunächst peilte ich die Burg Nijo an, den alten Burgpalast der Samurai, mit seinen Nachtigallenböden, mit seinen massiven Toren und den schönen Gärten. Den Routenplan griffbereit, strebte ich nach dem imposanten Burgerlebnis dem Nordwesten Kyotos dem buddhistischen Tempel Ryōan-ji zu und dann dem goldenen Tempel Kinkaku-ji.

In diesen Gefilden zeigte sich, dass ich bei weitem nicht der einzige Besucher war. Etwa 90 Prozent japanische Touristen, der Rest bunt gewürfelt aus aller Welt, fühlten sich wie ich von all den Sehenswürdigkeiten angezogen und waren in Scharen unterwegs.

Da stand ich also am berühmten rechteckigen Zen-Garten im Ryōan-ji, aber leider eingepfercht inmitten einer quirligen Schulklasse, der ein Führer eifrig alle Bedeutungen dieser Anlage erklärte. Zwei, drei Schnappschüsse, dann rasche Flucht. Da ist's in meinem eigenen Gärtlein viel beschaulicher. Dennoch war die Anlage beeindruckend, und mit ein wenig Fantasie konnte ich mir die Atmosphäre ohne die derben Tagesgäste ausmalen.

Ähnlich erging es mir teilweise beim nächsten Highlight. Eine Touristenprozession marschierte auf den Tempel zu. Kaum war er zu erspähen, rissen alle ihre Handys und Fotosapparate hoch. Es wurde gefilmt und geknipst, als gäbe es kein Morgen. Dabei musste man nur ein Stückchen weiterlaufen und hatte dieses Kleinod aus allen möglichen Perspektiven im Bild. Auch das Rundherum, die wunderschöne Parkanlage, ist eine wahre Wohltat fürs Auge und fürs Gemüt.

Als Nächstes hatte ich den Botanischen Garten im Visier. War ich bisher mit dem Busfahren gut zurechtgekommen, verließ mich auf der Route in den Norden Kyotos das Glück. Ich erwischte einen falschen Bus, landete in einem nüchternen Viertel und verlief mich in eine ziemlich menschenleere Gegend. Was für ein Ausgleich!

Als ich schon leicht verzagt war, erblickte ich den Kamo-Fluss und atmete auf. Die Botanische Garten liegt am Fluss! Es folgte noch eine stattliche Wegstrecke. Schließlich landete ich am Eingang, zahlte mein Ticket und beging die weitläufige, leider vom Taifun geschädigte Anlage. Ein wundervolles Erlebnis war es, an einem kleinen Teich den Wasserschildkröten zuzuschauen. Freudig strahlende japanische Senioren, die in einem Holzpavillon ihr Picknick abhielten, warfen ihnen Futter zu.

Nach diesem Marathon war mir klar, dass ich an diesem Tag nie und nimmer zeitgerecht zu meinem letzten eventuellen Ziel, dem Schrein der tausend roten Tore, Fushimi Inari-Taisha, im Süden Kyotos gelangen würde. Innerhalb eines Tages hatte ich ohnehin so viel Beeindruckendes erlebt!

© Clarissa_Smiles 2021-02-02

Japan XPsReif für die Insel

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