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#freundschaft#besichtigung#japanxp

Die edlen kaiserlichen Gärten

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Die edlen kaiserlichen Gärten | story.one

Nach dem Abendessen in der Tokyo Dome City trennten sich unsere Wege wieder. Madoka fuhr zu ihrem Hotel in Nihonbashi und ich nach Omori. Auf dem Weg vom Omori Bahnhof zu meinem Hotel erforschte ich mein Umfeld, wie ich es immer zu tun pflege, wenn ich wo neu bin. In einem der vielen Conbini Stores (Convenience Stores) besorgte ich mir Snacks und einen Soft Drink, um es mir damit im Zimmer gemütlich zu machen.

Wie üblich lud ich meine Fotos hoch, schrieb einen kurzen Bericht nach Hause, ließ den Tag Revue passieren und bereitete mich ausnahmsweise nicht auf den nächsten Tag vor. Wir würden am nächsten Tag gemeinsam die kaiserlichen Gärten besichtigen. Was kann das schon viel schiefgehen?

Treffpunkt Hauptpostamt Tokio. Von dort sollten es laut Reiseführer keine zehn Minuten zu Fuß zu den kaiserlichen Gärten um den kaiserlichen Palast sein. Madoka erzählte mir, dass sie schon oft in diesem riesigen Areal war. Bald aber gab sie kleinlaut zu, dass sie sich doch nicht ganz sicher sei, wie man dorthin komme.

Es war herrlich. Bisher hatte ich mich anhand von Reiseführern, Stadtplänen und der App Maps.me orientiert. Nun wurde ich von einer Japanerin geführt, die solche Hilfsmittel nicht nötig hatte, denn an jeder Straßenecke sprach sie Passanten oder Wächter an. Ich verstand kein Wort von der Unterredung, aber die Gesten sprachen eine deutliche Sprache. Aha, hier geht's lang. Ich trottete wieder mit bis zur nächsten Auskunftsperson.

Bald hatte ich den Eindruck, ganz Tokio ist ein Dorf, in dem nette Nachbarn einander helfen. Staunend über so viel Gemütlichkeit, wo man eigentlich die Anonymität und Hektik einer Weltstadt vermutet hätte, machte ich Aufnahmen von der Kulisse, die an mir vorbeizog. Riesige Rasenflächen, zahllose gepflegte Wege, Blumenbeete, schöne Bäume, eine Wehranlage, ein mit Lotosblättern bewachsener Fluss.

Es ist mir erinnerlich, dass wir sehr weit gingen und immer wieder Radfahrer und Läufer an uns vorbeizogen. Anhand der Fotos stellte ich zu Hause fest, dass wir vom östlichen in den nördlichen Teil des Parks geraten waren. Wir kamen an einem Kampfsportzentrum vorbei. Das Gebäude dient auch als Veranstaltungshalle für Konzerte. Wie ich anhand der Fotos nachträglich recherchierte, war vor der Halle prächtiger Blumenschmuck für die koreanischstämmige Soulsängerin Akiko Wada aufgestellt, die dort anscheinend ihren 50. Geburtstag feierte.

Wir passierten alte Mauern, deren Alter und Bauweise mir Madoka nicht erklären konnte. Sie erinnerten mich sehr an die rätselhaften erbebensicheren megalithischen Mauern in Sacsayhuaman in Peru und in anderen Teilen der Welt. Seltsamerweise fand ich nichts darüber in Kulturführern.

“Ich glaube, der Kaiser wird uns nicht auf einen Tee einladen”, meinte ich. Beim Otemon-Tor kamen wir wieder heraus und steuerten dem Bahnhof zu. Dort kannten wir uns aus. Das italienische Eis schmeckte “come in Italia”. Mit einem japanischen Abendessen endete der Tag.

© Clarissa_Smiles 2021-03-12

Japan XPs

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