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#mitgefühl#fremdewelten#coronazeit

(K)Einen Blick wert?

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(K)Einen Blick wert? | story.one

Ich bin spät dran. Es ist schon kurz vor 8 Uhr am Morgen. Nur die kleinen Lebensmittelläden dürfen im Lockdown 3 Stunden in der Früh geöffnet haben.

So eile ich noch schnell los, um Gemüse und Milch zu holen.

Auf dem Weg begegne ich - wie immer - den Lastenträgern, die an der Seite eines Hauses im Schatten sitzen und auf Arbeit hoffen. In diesen Tagen ist es mehr als schwer für sie. Kaum jemand ist auf der Straße, kaum jemand benötigt ihre Dienste.

Sie unterhalten sich leise. Die sonst so geselligen und tatkräftigen Männer wirken kraftlos. In ihren Gesichtern spiegelt sich ihr aktuelles Leben. Als sie mich sehen und wir uns grüßen, bemühen sie sich zu lächeln. Ein Lächeln, das die tiefen Sorgen verstecken soll. Jeder Tag ohne Einkommen ist eine Katastrophe für sie. Die Lebensmittelpreise sind seit Corona drastisch gestiegen. Für 1 kg Reis und Linsen müssen die Männer nun noch härter arbeiten. Aber wie, wenn es kaum möglich ist, den Job auszuüben?

2020 war für Nepal und seine Menschen extrem schwierig, der monatelange Lockdown fast ein Genickbruch. Anfang des Jahres dann leichtes Aufatmen. Doch nun erneute Ausgangssperre. Seit 7 Wochen ist Nepal wieder abgeriegelt. Überall wachsen Druck und Sorge, und so manche (intern.) Medienerstattung verursacht zusätzliche Angst und Panik. Corona in armen Ländern hat seine eigene Dramatik.

Menschen wie die Träger haben keine Wahl, sie brauchen ihren Job, denn sie brauchen Geld. Wie können sie und ihre Familien sonst überleben? Fragt man sie, ist ganz klar: “Uns erwischt der Lockdown hart. Covid ist schlimm für die, die schwer erkranken, nur Hunger und Verarmung werden allgegenwärtig und die sind grausam und treffen unendlich viele mehr!”

Das Schicksal der bodenständigen Menschen berührt meinen Mann und mich immer wieder aufs Neue. Sie sind Kämpfer, die nicht aufgeben! Die Reihen der Tagelöhner und Obdachlosen, die auf eine warme Mahlzeit hoffen, werden mit jedem Tag länger. Was für ein trauriges Bild!

Wie lange der aktuelle Lockdown dauern wird, weiß niemand. Vorerst bekommt Nepals Regierung etwas medizinische Unterstützung aus dem Ausland. Die Menschen harren derweil weiter - in der Hoffnung auf baldige Lockerungen, auf ein Wiederaufnehmen ihrer Arbeit und damit das lebensrettende Einkommen und damit auf ein bisschen Normalität in diesen schweren Zeiten.

Seit Corona grüßen die Träger und wir uns noch freudiger, und den Weg zu unserer Wohnung kennen sie mittlerweile sehr gut. Über viele Jahre schon helfen sie uns immer beim Tragen der vielen Güter, wenn es in die Projektregion geht. Die Not der tatkräftigen Männer in diesen Lockdown-Zeiten hat uns veranlasst, ihre Dienste einfach einmal mehr als wirklich nötig in Anspruch zu nehmen. Freude und ein Lächeln auf beiden Seiten.

Es sind diese Momente, Momente der Gemeinsamkeit und der Solidarität, die allen Zuversicht schenken, die zeigen: sie stehen wieder auf! Sie sind unsere stillen Alltagshelden!

Sie sind (uns) einen Blick wert!

© Daniela Jährig 2021-06-05

fremdeweltenLOCKdown - 4.(0) KlappePOST-CORONA? Hoffungsvoll in neue Zeiten!

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