skip to main content

#mitgefĂŒhl#nacht#herzen

Sirenen

  • 25
Sirenen | story.one

Sie lehnte sich in das Fenster des silbernen Fords hinein und nannte das volle Programm: 50 Dollar nur anfassen, 100 Dollar untenrum und fĂŒr 150 Dollar das komplette Paket. Ann und ich sahen zu, wie sie sich anstellte. Ich bat Ann, mir Kippe und Feuer zu reichen. Ihr Arsch, der sich aus der viel zu kurzen Jeans herauszwĂ€ngte, versuchte sich auf den Highheels zu halten. Der rote Lippenstift und der verschmierte Eyeliner zerstörten ihr wunderschönes Gesicht. FĂŒr uns Schlampen war es kein Ding der Schande sich so zu prĂ€sentieren – wir genossen dies sogar. Jedoch musste man schon ein Blinder mit Sonnenbrille sein, um nicht erkennen zu können, dass dieses junge Ding die TrĂ€nen zurĂŒckhielt.

Ann hatte von den anderen MĂ€dels erfahren, dass sie mit siebzehn Jahren schwanger wurde und die High-School abbrach. Sie war der ganze Stolz ihrer Familie: Spitzencheerleader, beliebt, gutaussehend und Tochter eines renommierten Staatsanwalts. Doch im Augenblick eines Wimpernschlags hatte sie alles verloren. Der Familie war es wichtiger ihren Ruf beizubehalten, als sich um das Wohle ihres Kindes zu sorgen, und so flog sie heraus, als alle davon Wind bekamen. Selbst der Vater des Babys hatte seine Eier verloren, geschweige denn, Haare am Sack gehabt. Am Ende versank sie in den Pool aus Fehlern, die andere machten und versucht sich und ihr Baby nun irgendwie, auch wenn es grausam sein sollte, ĂŒber Wasser zu halten.

BerĂŒhrt von ihrer Vergangenheit, vergaß ich kurz den brennenden Schmerz, der durch die runtergebrannte Zigarette ĂŒber meine Finger fiel. Ich war kurz davor mir den Rauch aus den Lungen zu schreien, doch im nĂ€chsten Moment hielt Ann mir den Mund zu und zerrte mich in den Schatten der Nacht. Ich bekam gar nicht mit, dass Sirenen zu hören waren und wir gingen vom Schlimmsten aus. GlĂŒcklicherweise war es aber nur ein Krankenwagen, der an uns vorbeifuhr. Jedoch war sie auch weg. Sie hatte ihn sich wohl geangelt, vielleicht wurde sie aber auch verschreckt. Am Straßenende tauchte jedoch ein weiterer Kunde auf und ich machte mich langsam auf den Weg. Paradoxerweise hatte ich ein LĂ€cheln auf meinem Gesicht, obwohl ihre Geschichte MitgefĂŒhl in mir weckte. Vielleicht weil ich wusste, dass Sirenen Herzen heilen – aber nur welche?

© Dennis Pergul 2021-07-22

Schauerromantik

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.