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Als Fremde in einer Millionenstadt

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Als Fremde in einer Millionenstadt | story.one

Tunis hat mit seinen Vororten fast 3,5 Millionen Einwohner. Ich bin aus der kleinen 30x30km Durchmesser großen Insel Djerba in die Hauptstadt Tunesiens gezogen. In Djerba gibt es keine einzige Ampel, nur Kreisverkehr (Rondpoint) als Highlight im Straßenverkehr. Tunis hat mehrspurige Autobahnen, viele Vororte, manche auch sehr beängstigend: keine richtigen Straßen, nur Sandpisten, kaum Straßenbeleuchtung. Ich wohne mit meiner Familie im nördlichen Vorort La Marsa, in Meeresnähe. Es gibt viele Villen, Gärten, kleine Restaurants und Imbisse, ein paar Geschäfte. Wir wohnen in einer 2-stöckigen Villa mit üppigem Garten. Meine Lieblingspflanze Bougainvillea in violett, pink und orange wächst entlang der Gartenmauer. Gegenüber von uns sind katholische Ordensschwestern, die Hilfsprojekte leiten, eingemietet.

Ich starte alles ganz alleine – mein Mann ist noch in Österreich (er arbeitet noch…) – und ich hab die Übersiedlung gemeistert, einen Kindergartenplatz für Omar und Schulplätze für Linda und Yasmin gefunden. Mit einem Anwalt gründe ich unsere Firma: Pierre Protect Sarl, beginne bei potenziellen Kunden Klinken zu putzen und lebe mich ganz langsam ein. Wie das Schicksal (Maktoub auf tunesisch) es so will, lerne ich einen Mann kennen, der Vertreter einer Schleifmittelfirma ist. Er will mir helfen, weil meine Firmenidee neu und innovativ ist in Tunesien und er stellt mich Architekten, Steinmetzen und Bauunternehmern von. Ich mache viele Gratismuster, weil ich mir ja erst irgendwie einen Namen machen muss. Einige Monate später kommt dann mein Mann nach stetigem Drängen meinerseits, endlich nach Tunis zu uns. Wir machen unsere erste Baustelle gemeinsam und ernten großes Lob und bekommen Folgeaufträge. Es fängt richtig an zu laufen.

Leider war die Schulwahl für Yasmin nicht die richtige. Sie wird von der Nachmittagsbetreuerin immer wieder misshandelt (an den Haaren gezogen, auf die Finger geschlagen) – Sie ist in der 1. Klasse Volksschule in einer öffentlichen Einrichtung und ich beschließe, sie in eine Privatschule zu geben. Ich kann das doch nicht zulassen! Omar ist einer der besten im Kindergarten, Linda macht ihr letztes Jahr in der Grundschule.Im Haus erleben wir mehrere Schwierigkeiten. Der Hausbesitzer hatte bei der Gastherme alle Sicherheitsvorkehrungen entfernen lassen, um sie weiterhin in Betrieb zu lassen und so sind wir eines Morgens kurz vor einer Gasexplosion, da die Therme überhitzt und der Raum in dem sie hängt schon ganz schwarz und verraucht ist. Wir sollen die Reparatur bezahlen und alles richten. Das tun wir sicher nicht! Daher ziehen wir aus und kommen in ein neues Haus, in dem wir nach kurzer Zeit zahlreiche Mitbewohner haben – Mäuse! Jeden Abend besuchen sie uns im Wohnzimmer. Wir versuchen alles um sie loszuwerden. Der Hausbesitzer, der Mufti aus La Marsa, zertritt sie sogar mit seinen Schlapfen… Ein Horror!

Nach ein paar Monaten ziehen wir wieder aus. Es ist unerträglich!

© die_sage_der_gudrun 2020-12-12

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