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Frauenpower in Tunesien

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Frauenpower in Tunesien | story.one

Ein 280m2 großes Haus hat viele Möbel, Regale, Dekogegenstände. Geschirr, Kleidung, Schuhe, Bücher, Fotoalben, Kinderspielzeug, Blumentöpfe, Hundenapf und Katzenklo…

All das gilt es zu übersiedeln. Wir haben beschlossen von Djerba, wo ich seit 1997 gelebt hatte, nach Tunis umzuziehen. Vom Paradies in die Großstadt. Warum? Weil ich eine Firma eröffnen werde, um österreichische Steinreinigungsprodukte zu verkaufen. Dafür ist der Bedarf in Djerba zu gering, Sfax zu hässlich um dort zu leben, Hammamet zu nahe an der Schwiegerfamilie, die alles andere als lieb zu mir ist – naja dann gleich ins Kontrastprogramm – nach Tunis. Mein Mann lässt mir kaum Geld da, fährt wieder nach Österreich zurück und meint: "Du wirst das schon schaffen, ich hab Dir einen LKW organisiert, der alles transportiert."

Meine Mama reist an, ich buche ein Apartment in Strandnähe um meinen 3 Kindern (13, 7 und 3 Jahre alt) eine unbeschwerte Zeit mit ihrer "Ofafa", wie sie meine Mama liebevoll nennen, zu gewährleisten.

Ich organisiere mir von Carrefour leere Kartons (Übersiedlungskartons gibt es nicht). Ich packe 2 Tage lang, mithilfe von 2 Freundinnen, ein. Dann kommt endlich der Anruf des LKW Unternehmers. Er schickt mir einen LKW um 7h morgens am nächsten Tag. Dieser kommt relativ pünktlich, ist aber halb so groß wie erwartet, und wird all unsere Möbel, Schachteln, Vorhangstangen, Herd, Waschmaschine und Geschirrspüler und all den Krimskrams sicher nicht mitnehmen können. Darüber hinaus weigert sich der Fahrer mir den Wagen zu beladen. Ich müsse das selbst machen. Na dann leg ich los…

Nach 4 Stunden ist der LKW beladen, fährt los Richtung Tunis-La Marsa, ich fahre mit meinem Renault Kangoo hinterher - 450km in ca 8 Stunden Fahrt liegen vor uns.

Dort angekommen darf ich alles wieder ausladen. Ich weiß nicht wie ich es schaffe all die schweren Möbel und Geräte zu schleppen, aber es gelingt. Der Lkw-Fahrer schläft indessen. Ich bin erledigt, lege mich auf eine Matratze, die ich mitgebracht habe und schlafe auch 2 Stunden. Dann weckt mich der Fahrer – wir müssen zurück nach Djerba. Wieder 450km, wir brauchen 7,5 Stunden.

Angekommen, schlafe ich 3 Stunden und packe den LKW wieder voll. Ich telefoniere kurz mit meiner Mama und den Kindern – es geht ihnen bestens. Ich bin glücklich darüber. Weiter einladen und Abfahrt nach Tunis. Wieder fahren wir ungefähr 8 Stunden, wieder alles ausladen, rauftragen… Die einzige Person, die ich in Tunis kenne, Ines, ruft mich an, lädt mich zum Essen und auf ein kurzes Nickerchen in ihre Wohnung ein. Es tut so gut! Ich fahre zurück zum Haus nach La Marsa (einer grünen, gepflegten Gegend im Norden von Tunis). Der LKW Fahrer wartet bereits ungeduldig. "Wir fahren – der Chef wartet. Yallah!"

Ich setze mich ins Auto. Es ist mehr als grenzwertig. Ich bin völlig erledigt, müde. Nach weiteren 8h bin ich in Djerba, im Apartment bei meinen Kindern. Ich leg mich zu Ofafa ins Bett und schlafe.

Ich bin nicht allein – Mama ist immer bei mir.

© die_sage_der_gudrun 2020-03-14

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