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Durch die Wüste ... im Jemen

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Durch die Wüste ... im Jemen | story.one

Heutzutage völlig undenkbar - viel zu gefährlich - lebensmüde! Aber auch damals, im Februar 1994, während des heiligen Monats Ramadan, nicht alltäglich.

Ich fliege mit meinem ersten Mann und meinem Vater nach Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. 2 Wochen lang mit einem Jeep und einem Fahrer entlang der Weihrauchstraße und weiter über die Südküste und Aden wieder in das nordwestlich gelegene Sanaa zurück.

Unser Fahrer und Guide, Mohamed, er hat 15 Jahre lang in New York gelebt und dort als Taxifahrer gearbeitet, spricht fließend Englisch, hat ein gutes Allgemeinwissen und ist vor allem sehr weltoffen. Dennoch ist seine Kleidung eher traditionell: er trägt ein Hemd und einen Rock - Futah genannt - und - wie alle Jemeniten - einen Krummdolch, die Dschambija.

Unsere Reise führt uns zum Dar Al-Hajar, dem "Rockhouse" einem auf und in und mit Felsen gebautem, vielstöckigen Lehmhaus nahe der Hauptstadt. Beeindruckend, wie viele, in sich verschachtelte, Gebäude hier auf einer ziemlich kleinen Grundfläche stehen.

Der Tag an dem wir die große Sandwüste in Richtung Shibam, dem "Chicago der Wüste" mit bis zu 500 Jahre alten, 25m hohen Lehm-Hochhäusern, durchqueren, ist faszinierend. Etwas Luft aus den Reifen. Mein Mann legt sich aufs Autodach und Mohamed fährt los - er jauchzt und lacht! Endlose Pisten, von riesigen LKWs plattgefahren, neben meterhohen Sanddünen - ein Weg irgendwie ins Nirgendwo. Völlig orientierungslos für uns unerfahrene Alpenländler.

Mittags ein Stopp bei einer Tankstelle für LKWs, die in die entlegeneren Gebiete Waren liefern. mitten in der Wüste. Wir setzen uns in eine Art Garage, Mohamed packt in Zeitungspapier gewickeltes Essen aus -Henderl mit Reis- wir essen es landestypisch - mit der rechten Hand.

Die Sonne strahlt, es ist angenehm warm, nicht zu heiß. Wir bekommen bezahlten Begleitschutz - ein mit Kalaschnikow bewaffneter Beduine in einem Land Rover, offensichtlich vom dort vorherrschenden Stamm. Die beiden Fahrer liefern sich eine Wettfahrt.

Am Weg zum Mondtempel des Königreichs von Saba, der ungefähr 700 Jahre v.C. erbaut wurde. Plötzlich halten zwei Soldaten unseren Wagen auf, steigen hinten auf die Stoßstange auf - als Mitfahrer. Beide mit Krummdolch und Kalaschnikow bewaffnet. Mohamed bittet uns, sie nicht anzusehen und auf keinen Fall Fotos zu machen. Aber mein Vater kann es nicht lassen und filmt sie. Ich habe Angst. Was wenn sie es sehen? Wie reagieren sie?

Wir bleiben vor einem großen Sandhügel stehen, die Soldaten springen vom Auto, deuten uns stehen zu bleiben und gehen vor. Haben sie gesehen, dass mein Vater sie gefilmt hat oder warum stoppen wir? Aber es heißt: Areal gesichert!

Wir kommen nach und sehen unterhalb der Düne die damals minimalen Ausgrabungen eines Tempels. Es ragen 5 eckige Säulen aus dem Sand, keine Mauern, keine Hallen... sonst ist nichts zu sehen - das ist der berühmte Almaqah-Tempel?

Naja, damals war er auch noch nicht ausgegraben... wie ich erst Jahre später erfahre.

© die_sage_der_gudrun 2019-12-18

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