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#verlust#selbsterkenntnis#abschiednehmen

Die Vergänglichkeit des Lebens

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Die Vergänglichkeit des Lebens | story.one

Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu, wusste schon Jenny in Forrest Gump. Wenn er dann jedoch eintritt, ist er zumeist unbegreiflich, manchmal auch unerwartet und unwiderruflich. Bisweilen übersteigt es meinen sonst so scharfen Verstand, was genau passiert, wenn eine Seele beschließt, die irdische Hülle abzulegen, um zurück ins Licht zu gehen. Ich habe meine Großeltern und meinen Ehemann an das Reich der Engel verloren und auch noch weitere Gefährten dem universellen Heimathafen überantwortet. Jeder einzelne von ihnen hat mein Leben bereichert, aber auch gleichsam eine Lücke hinterlassen. Gestern war es wieder soweit – der Mann mit der Sense hat gewählt und jemanden mitgenommen. Ich hatte nur einmal das Vergnügen, ihn zu treffen, dennoch war er aufgrund der Nähe zu meinem direkten Umfeld irgendwie ein Freund. Somit trifft mich das Leid, das sein Übergang auslöst, mit voller Wucht.

Niemand von uns weiß, wie viele Lebensjahre er sich für diese Lernaufgabe hier auf Erden ausgesucht hat und deshalb komme ich einmal mehr zu der Erkenntnis, dass jeder Tag der letzte sein könnte. Der eigene letzte oder aber auch der letzte, an dem man die Möglichkeit der Begegnung hat. Wir alle hetzen uns von Termin zu Termin, erledigen gleichsam angenehme wie unliebsame Aufgaben, schwimmen im Strom des Daseins dahin – als gäbe es kein Enddatum. Ein Trugschluss, dem auch ich immer wieder aufsitze. Das Streben nach einem vollkommenen Ausdruck bindet Ressourcen – zeitlicher, energetischer wie materieller Natur. Schnell noch die Arbeit erledigen, den Haushalt schupfen und etwas für die persönliche Entwicklung tun. Beim Finanzamt anrufen, Social-Media-Kanäle checken und den Wäscheberg beseitigen. Echte Begegnungen mit Menschen, die einem lieb und teuer sind, haben dabei ebenso oft das Nachsehen, wie Momente der stillen Zufriedenheit. Kaum ist ein Punkt auf der Liste abgehakt, folgt der nächste.

Ich frage mich, ob es nicht an der Zeit wäre, eine echte und nachhallende Veränderung vorzunehmen. Einfach einmal innehalten, lächelnd auf das Erschaffene und Liegengebliebene zu schauen und statt Optimierungswahnsinn wahre Werte zu leben. Nichts mehr auf morgen zu verschieben, weil es keinen Platz im Terminkalender findet, täglich voller Freude aufzuwachen und den Morgen mit Liebe, Fürsorge und Achtsamkeit willkommen zu heißen. Dann wäre jeder einzelne Tag ein Feiertag, ja, ein Geburtstag. Wir sollten ihn zelebrieren – nicht nur einmal im Jahr. Wir sollten uns ein Stück Torte gönnen, dem Leben Konfetti streuen und frische Blumen auf den Tisch stellen, um uns an ihren Farben, Formen und Düften zu erfreuen. Wir sollten uns ein Festmahl zubereiten, es genussvoll zu uns nehmen und den Alltag, Alltag sein lassen.

Liebe Seele, die du uns verlassen hast: Sei gewiss, dass du etwas in dieser Welt bewirkt, Herzen berührt und Eindruck hinterlassen hast. Du fehlst. Dein Verlust erschüttert unsere Welt.

© Elisabetta_Ardore 2021-09-15

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