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#weitgereist#reiseabenteuer

Asia I

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Asia I | story.one

Wir tanzen ausgelassen zu den Klängen von den Gipsy Kings. Es gibt viel zu feiern: Meine Freundin hat erfolgreich promoviert, ihr langjähriger Freund hat gestern um ihre Hand angehalten und ich freue mich auf meinen ersten Asien Urlaub. Heute um 1.30 Uhr soll es losgehen. Bis dahin ist noch viel Zeit, wir öffnen eine Flasche Sekt und feiern fröhlich.

Das Klingeln des Telefons zwingt mich in die Wirklichkeit. Die Dame vom Reisebüro informiert mich, dass einige Länder wegen Ebola, Flügen aus Afrika kommend keine Landeerlaubnis geben würden. Deshalb habe sie alles umgebucht, die neue Route sei jetzt Nairobi-Dubai-Hongkong, von dort am nächsten Tag weiter. Sie würde auf mich am Flughafen warten und mir alle Unterlagen übergeben. Der Flug ginge um 23.15 Uhr.

Mit einem Schlag wird mir klar, dass ich sofort das Haus verlassen muss. In allerletzter Minute besteige ich das Flugzeug und lasse mich verschwitzt in den Sitz fallen. Der späte Check-in hat mit mir einen Platz in der Business Class gebracht. Gleich wird mir ein Glas Sekt serviert werden. Aber bei Pakistan Airlines gibt es keinen Alkohol, dafür wird über das Mikro gebetet. Ich breite mich auf den leeren Sitzen aus und schlafe bis kurz vor der Landung in Dubai. Ich fliege Gott sei Dank mit Emirates weiter und genieße den exzellenten Service.

Der von Piloten gefürchtete Anflug durch die Häuserschluchten von Hongkong ist atemberaubend. Erst 1998 sollte ein neuer Flughafen eingeweiht werden.

Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass der erste Einheimische versuchen würde den Touristen übers Ohr zu hauen. Blödsinn, denke ich und ziehe meinen Koffer hinaus auf die Straße. Sofort bin ich von Taxifahrern umringt, die sich gegenseitig unterbieten. Ich wähle den nächstbesten und es geht los. Das gebuchte Hotel liegt nicht weit entfernt im Zentrum. Er muss nur noch eben seine Uniform von der Reinigung holen, aber das liegt auf dem Weg, erklärt er mir. Von dort fährt er noch schnell zu Hause vorbei sein Essen abholen, ebenfalls auf dem Weg. Ist mir egal, so sehe ich gleich etwas von der Stadt. Am Hotel verlangt er einen horrenden Preis. Ich hole den Hotel Rezeptionist zur Hilfe und die beiden zanken sich lautstark. Am Ende zahle ich weniger als ein Drittel. Mit quietschenden Reifen braust er davon. Das war er der Angekündigte!

Ich beschließe noch ein wenig durch die Stadt zu schlendern und werfe mich in die quirlige Menschenmenge, lasse mich fasziniert treiben. Die Straßenbahn hält, ich springe auf und fahre einige Stationen mit. Müde von der Reise und den Eindrücken beschließe ich ein Taxi zurückzunehmen. Aber wohin? Mir ist der Name des Hotels völlig entfallen. Wir fahren die Straße im Schritttempo zurück, jedes Hochhaus sieht gleich aus. Aber irgendwann sind wir da. Ich freue mich aufs ausstrecken und schlafe tief und fest.

Am nächsten Tag lasse ich wieder ein Taxi rufen und warte vor dem Hotel. Da ist er wieder mein Flughafenfahrer von gestern!

Wir grinsen uns an und ich bezahle im Voraus.

© Evelyn Weyhe 2021-01-04

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