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#verantwortung#ungerechtigkeit#gerechtigkeit

rechtsbeugen

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rechtsbeugen | story.one

Er saß dort und blickte immer noch auf den Bildschirm, auf dem die letzten Bilder des gerade Gesehenen und Gehörten verblasten. Wurde das gerade eben wirklich ernsthaft verkündet? Maßnahmen, die zur Spaltung einer Gesellschaft ohne Nutzen gereichen. Was für Berater waren da am Werk? Wie kurzfristig denkt man und wie noch kurzfristiger handelt man? Wohin ist der Menschenverstand entschwunden?

Gleichheitsgrundsatz: Gleiches gleich behandeln, Ungleiches ungleich behandeln. Logisch, nachvollziehbar, wenn es denn so ist. Was ungleich ist, ist so und was gleich ist, ist halt auch so. Doch eines der Grundprinzipien eines Rechtsstaates ist das der Rechtsgleichheit: Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich! Das per Definition, egal wie ungleich die Bürger sind. Und das ist gut so! Nur wenn ich jetzt Ungleichheit, die es nicht gibt, gerade erst schaffe, per Definition, um dann ungleich behandeln zu dürfen. Was ist das dann? Wie war das noch mal? Hat das nicht den Charakter der Rechtsbeugung?

Er saß fassungslos da. Gedanken wie: entfernen wir uns nicht gerade auf sehr laut-leisen Sohlen von der Rechtsstaatlichkeit? Und wenn es auch gerade nur eine Marginalie sein mag, über die Ungleichheit per Definition geschaffen wird. Hiermit wird eine willkürliche Linie durch eine Gesellschaft gezogen, die eh schon mit zerreißprobenartigen Effekten zu kämpfen hat. Es wird eine Kerbe geschaffen, in die sich später weiter eindringen läßt. Was ist das Ziel? Herauszufinden, wann eine Gesellschaft genug hat oder wie lange sie schweigend, duldend mitmacht, ehe der Bogen überspannt ist? Wobei, ist es dann nicht schon zu spät?

Geimpfte zu Ungeimpften, och nö, so einen Blödsinn hatten wir in diesem Land schon und der bescherte dem Land in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts seine schlimmstmögliche Schieflage, für die wir immer noch gewatscht werden. Vielleicht berechtigt, vielleicht auch nicht, nur fangen wir jetzt erneut an, Menschen zu klassifizieren und das per rechtlicher Grundlage: Gute und Schlechte, Richtige und Falsche, Geimpfte und Ungeimpfte, Elite und Nichteliten, Bessere und Schlechtere, Bevorzugte und Nichtbevorzugten…

Pfui, er mochte das nicht weiterdenken.

Er ging in die Küche, machte sich einen Kaffee, stellte sich an das Fenster. Draußen wüteten schlimme Sturmböen durch die Gegend, zerrten und rüttelten an den Bäumen, die gerade zaghaft ihr grünes Blattwerk austrieben. Die Äste mit den jungen Blättern wurden nur so vom Wind umhergezerrt. War es nicht auch diese Zeit, die sie einfach nur so umherzerrte? Aber wie sollte das weitergehen? Der Sturm würde nachher irgendwann vorbei sein, in ein, zwei oder auch drei Stunden werden die Sturmböen Vergangenheit sein. Spuren bleiben zurück, hier abgerissene Blätter, dort Zweige, irgendwo wird ein Baum zu den Umgefallenen gehören. Aber was, wenn der Sturm dieser Zeit vorüber ist? Welche Spuren wird er hinterlassen haben? Wie sieht diese nachstürmische Welt aus?

© Fabiennne 2021-05-04

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