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#abenteuer

Das ist nicht dein Ernst!

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Das ist nicht dein Ernst! | story.one

„Und jetzt?“ Wir 4 schauten uns müde an, nachdem der Versuch, neben einem Sportplatz irgendwo in Frankreich wild zu campen von einem aufgebrachten Besitzer vereitelt wurde. Seit fast zwei Wochen tingelten wir in einem Opel Vectra durch den Süden Europas und hatten in dieser Zeit bereits in der einen oder anderen abenteuerlichen Unterkunft genächtigt; gefunden hatten wir immer eine. „Wenn wir durchfahren, sind wir zu schnell“, meinte R. „Dann suchen wir weiter, wird schon klappen“, St war wie immer optimistisch und die Suche wurde fortgesetzt. Mal bogen wir an einem Weg ab, der sich als Zufahrt zu einem Hof entpuppte, mal standen wir mitten in einem Feld, mal in einer kleinen Ortschaft. Es war nichts zu machen, dieses Mal hatte uns das Glück verlassen und wir mussten uns damit anfreunden, die Nacht doch durchzufahren. Mitternacht war bereits vorbei, als R bei Carcassonne auf die Autobahn fuhr. Plötzlich rief St: „Fahr da vorne zu dieser Raststätte!“ R schaute ihn verwundert an, tat aber wie ihm geheißen und als wir auf den Parkplatz rollten, dämmerte uns, was er vorhatte.

Der Rastplatz bestand aus Bäumen, Wiese und kleinen Kojen, die auf einer Seite offen waren und in denen ein betonierter Tisch mit Bank stand. „Das ist nicht dein Ernst!“, rief R aus. St war gerade beim Bundesheer verpflichtet und deshalb andere Maßstäbe gewohnt, als er lässig sagte: „Komm schon, du stellst das Auto einfach vor die offene Seite, dann sieht uns keiner. Es ist Sommer, wir haben Schlafsäcke und Isomatten, was soll schon sein?“ „Nein! Du bist ja wahnsinnig! Unter Garantie stehlen die uns das Auto in der Nacht!“ „Die alte Schüssel? Wir sind in Frankreich, die sind Besseres gewohnt…“ Die Herren diskutierten lautstark und mit der Taschenlampe unterzog ich die Konstruktion einem Lokalaugenschein. Sie schaute beinahe gemütlich aus und war perfekt vor Blicken geschützt. Etwas Sorgen machten mir die Spinnen, die in den Ecken in ihren Netzen saßen. „Leute, ich bin müde und will nicht mehr weiterfahren. Und wird hier schon niemand wegtragen“, sagte J und holte ihren Schlafsack aus dem Kofferraum. „Genau, lasst uns das Lager aufschlagen“, pflichtete ich ihr bei und nestelte in den Sachen herum. R stand immer noch wie angewurzelt neben dem Auto. Ein paar Minuten später hatten wir uns ein – den Umständen entsprechend – bequemes Bett unter dem Tisch eingerichtet. Zu dritt lagen wir in unseren Schlafsäcken, R dreht noch immer eine Runde nach der anderen. „Jetzt beruhig dich endlich, leg dich hin und schlaf!“, rief ihm St zu und drehte sich in seine Schlafposition. Zögerlich kam auch R und bettete sich neben mich. So lagen wir aneinander gekuschelt – 2 Männer außen, 2 Frauen innen. Drei von uns schliefen sofort ein und generell sehr gut, bis uns die ersten Sonnenstrahlen weckten. Wir befanden uns am gleichen Ort: Weder hatten uns die Spinnen aufgefressen, noch hatten Unbekannte uns oder das Auto davongetragen. R hingegen hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan.

© Verena Lechner 2021-03-05

Reisen

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