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#memories

Wer bist du?

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Wer bist du? | story.one

Du bist die schroffe Küstenlandschaft, auf dessen Felsen ich als Kind gespielt oder Seite an Seite mit meinen Eltern gefischt habe.

Du bist der Sandstrand, in dessen seichtem Wasser ich Schwimmen lernte und an dem mir eines Morgens eine Krabbe entgegenkam, die dafür sorgte, dass ich schreiend davonlief und von da an nur mehr mit Luftmatratze ins Wasser ging.

Du bist das Moor bei Soline, mit dessen Schlamm sich meine Großmutter eincremte und Großvater und ich lautstark lachen mussten, als sie bedeckt mit schwarzer Erde zurückkam.

Du bist der Feldweg, bestehend aus spitzen, weißen Steinen mit der so typischen roten Erde dazwischen, der an einem Häuschen endete, in dem die Schwestern Petra und Jelena wohnten. Eine gut, eine böse, wie im Märchen, aber immer nahmen sie uns herzlich in ihre Familie auf und servierten mit Stolz den selbst gemachten Wein, wenn wir im Garten unter den Reben saßen.

Du bist Mirko, der Fischer, den ich immer in seinem kleinen Boot begleiten wollte, um mit einer dünnen Schnur Tintenfische zu fangen. Und seine Frau Marija, deren Worte ich nicht verstand, die mich aber immer wie ihre Enkelin umsorgte.

Du bist der Vermieter, der uns zu Ostern von seinem Schinken brachte, als uns die Bora zwang, das Haus zu hüten und wir allein in der Fremde saßen.

Du bist die Straßen, die lange Zeit ein plötzliches Ende hatten, weil der andere Teil zerstört war und die Häuser, die jahrelang ihre Einschusslöcher zur Schau tragen mussten, weil das Geld fehlte, sie zu reparieren. Du bist leider auch die zahlreichen Friedhöfe, die mittlerweile fast als einzige daran erinnern, was in dir vorgegangen ist.

Du bist die Natur, die teils karg mit Gestrüpp, dessen Dornen Narben hinterlassen können, und teils mit saftigem Grün, traumhaften Wasserfällen und See in ihren Bann ziehen kann.

Du bist Split, die weiße Stadt, in dessen Mitte wir als Crew den Beginn eines wundervollen Törns einleiteten und der kleine Supermarkt in Biograd, von dem wir jedes Mal glaubten, er müsste leer sein, wenn wir die Verpflegung für mehrere Tage einkauften.

Du bist das türkis-blaue Meer, in dem sich die unterschiedlichsten Fische tummeln und auf dessen Grund Seegras und Seegurken erkennbar sind oder manchmal eine Waschmaschine, wenn man mit Taucherbrille drüber hinweggleitet oder an Deck stehend gedankenverloren in das kühle Nass starrt.

Du bist die Konobas, die uns auf unseren Seewegen mit fantastischem Essen, gutem Wein und viel Herzlichkeit begleitet haben.

Du bist das Land, in dem ich mittlerweile Geschäftskontakte pflege, die zu Freunden geworden sind, und dessen Sprache ich als Erwachsene lernte, um mehr von dir verstehen, mehr von dir aufnehmen zu können.

Du bist Zagreb, diese wundervolle Hauptstadt, die an das alte Österreich erinnert und gleichzeitig pulsierendes südliches Leben ist.

Du bist: „Kroatien – Voller Leben“, wie deine Website verrät und ich kann dazu nur laut sagen: „Ja, das bist du! Ein Land voller Leben, Liebe und Erinnerungen!“

© Verena Lechner 2021-02-07

Reisen

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