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#kaffee#überraschung#frühstück

Der Ruf des Ghettoblasters.

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Der Ruf des Ghettoblasters. | story.one

Es ist Montag, 06:45. Tagwache ohne Wecker. Freiwillig, ich bin Frühaufsteher. Kurz zur Chefin kuscheln, sie schnurrt. Manchmal kichert sie auch, manchmal grunzt sie nur, sie ist da sehr vielseitig. Heute schnurrt das Kätzchen. Zehn Minuten Löffelchen und Stille, dann ab in die Küche. Zuvor noch heimlich den Mini-Ghettoblaster, einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher, kaum größer als eine Zigarettenschachtel, ans Kopfende gestellt. Betriebsbereit natürlich. Ich bin seit Jahren für die morgendliche Raubtierfütterung zuständig. So heißt bei uns das Frühstück. Nein, bitte, kein Lob und schon gar kein Neid, ich bin kein einfacher Typ, ich mach das aus Egoismus. Zugegeben, auch aus Liebe. In der Hauptsache allerdings ist mir frühmorgens nicht nach Quatschen, mein Kommunikationsbedürfnis ist um diese Tageszeit äußerst gering, ich genieße eine halbe Stunde Ruhe. Leise Musik aus dem Radio darf sein, auf den Sender lege ich mich spontan fest. Heute ist mir nach Oldies.

Während ich Kaffeetassen und Teller positioniere, beschwert sich der erste über den Wochenbeginn. „I dont like Mondays.“ Bob Geldof mag keine Montage, seine “Boom Town Rats” stimmen klagend mit ein.

Das Gebäck, heute Graham-Weckerl und selbstgemachter Brioche, kommt in den kleinen Ofen. Frauchen hat’s gern knusprig. Dazu jammert bereits der nächste, dass was nicht passt. Mike Jagger ist unbefriedigt. „Satisfaction“ wünscht er sich. Da soll er doch zum Sexualtherapeuten. Oder besser zum Physiotherapeuten, immerhin ist er bereits stolze 77.

Wurst und Käse kommen auf einen kleinen Glasteller, dazu möchte Cher gerne das Rad der Zeit zurückdrehen. „If I could Turn Back Time“ tönt’s mitleiderregend aus dem Lautsprecher. Pech gehabt, Mädel, du hattest deine Zeit und bist außerdem ausreichend mit Ersatzteilen versorgt.

Zum Schluss Milch, Butter und Marmelade aus dem Kühlschrank geholt und in optimaler Griffweite der Chefin platziert. Erfahrungswerte. Amy Winehouse, Gott hab sie selig, wundert sich über Zeitdifferenzen. „What a Difference a Day Makes“. Schön anzuhören, doch mit unschönen Erinnerungen verbunden. Beim vorgestrigen Rettungsdienst entschied viel weniger Zeit über große Unterschiede. Eine Zehntelsekunde nicht aufgepasst, schwerer Verkehrsunfall und die Zukunft schaut ganz anders aus. Ich verdränge die Erinnerung erfolgreich. Ein Blick auf die Uhr, es ist 07:15, ich bin total im Plan und bereit für die Raubtierfütterung.

Ich goggle am Handy nach Songs von Peter Cornelius, Bluetooth ist aktiviert, jetzt müsste er meinem Kätzchen im 1. Stock singend eine wichtige Nachricht überbringen. „Der Kaffee ist fertig“. Ganze 4 Min 14 Sek dauert die Message, Countdown läuft. Noch rasch die Zeitung aus dem Postkasten holen, Sudoku plus Schreibgerät für die Prinzessin bereitlegen. Achtung, sie kommt. Und das Kätzchen schnurrt zufrieden, lächelt dankbar. Überraschung gelungen, ein richtig schöner Montag. Was die alle jammern können.

© Franz Brunner 2021-02-15

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