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I werd nie an Gendarm!

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I werd nie an Gendarm! | story.one

Wann ist der Zeitpunkt, eine Entscheidung zu treffen? Welche Kriterien und Überlegungen werden in die Entscheidung miteinbezogen? Wann setzt man den einen Punkt, der vielleicht dein ganzes Leben verändert?

Als mein damaliger “Schwager” in Wien die Polizeischule besuchte, meinte er nach einigen Wochen: “Gaby, das ist genau dein's!” Meine lapidare Antwort (ich war 18) belief sich auf: “Bist deppert! I werd nie an Gendarm!”

4 Jahre später stellte sich die Frage nach meinem beruflichen Weitergang. Ich hatte inzwischen die Matura abgeschlossen und arbeitete als Programmiererin. Ausfüllend war dies auf Dauer nicht. Das Kapitel Männer hatte ich ebenso abgeschlossen. Dann traf ich IHN. Meinen mir mittlerweile 18 ½ angetrauten Ehemann. Ich aus Niederösterreich, er aus Vorarlberg. Nach zwei Wochen wusste ich, DER ist es. Den heirate ich. Auch wenn das jetzt verliebt idiotisch klingen mag - bewahrheitet hatte es sich dann ja.

Im Hinterkopf rumorten immer noch die Gedanken über meine berufliche Zukunft. Für mich war klar, ich würde ins Ländle umziehen und spätestens damit müsste ich mir einen neuen Job suchen. Über Ostern besuchte ich meinen Freund im Westen. Vier Tage lang zeigte er mir die schönsten Plätze. Wir gingen Wandern und Schifahren.

Aus heiterem Himmel und plötzlich machte es in meinem Kopf “klick”. Ich bewerbe mich bei der Gendarmerie (Bundespolizei gab es damals nur in der “Großstadt”). Die Dokumente wurden heruntergeladen und ausgefüllt. Mit klopfendem Herzen begleitete er mich am Dienstag nach Ostern auf den Gendarmerieposten Dornbirn. Ich ahnte nicht im Entferntesten, dass dies einmal für zehn Jahre meine berufliche Kaderschmiede werden würde. Ich hatte mich null informiert, null darüber nachgedacht. Ich tat es. Einfach so. “Ich kann ja immer noch absagen, falls es nicht passt!”, war mein einziger eigener Einwand gegen diese Entscheidung.

Wie es der Himmel wollte, war genau zu jenem Zeitpunkt ein Kurs ausgeschrieben (obwohl zuvor zwei Jahre ein Aufnahmestop gewesen war). Weiters teilte man mir in meiner Firma mit, dass Mitarbeiter abgebaut werden müssten. Ich könnte Halbtags arbeiten. Ich entschied mich für eine einvernehmliche Kündigung mit zwei Tagen Urlaub für die Aufnahmeprüfung.

Zweieinhalb Jahr nach Abgabe meiner Bewerbung schloss ich die Gendarmerieschule ab. Auf eben jenem Gendarmerieposten Dornbirn verblieb ich zehn Jahre, gefolgt von vier Jahren Innendienst in der Landespolizeidirektion, da es ab 2005 nur mehr die Bundespolizei gab. Ich war immer gern Polizistin - draußen wie drinnen.

Eine weitere Tür des Himmels führte mich mittlerweile zurück in die Technik, weg vom Polizeiapparat. Doch denke ich gerne an die vielen Jahre “auf der Straße” oder im Büro, mit vielen Begegnungen und Erlebnissen.

Manchmal ist es besser, nicht allzulang zu überlegen, sondern dem Herzen zu folgen und Chancen zu ergreifen. Bei mir stellte die Abgabe der Bewerbung mein ganzes Leben auf den Kopf.

© Gabriele F. Stöger 2021-02-22

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