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#schulzeit#wandern#gondel

Ein Ausflug auf den Grünberg

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Ein Ausflug auf den Grünberg | story.one

Ich bin leider kein „Wandersbursch“, von langen Spaziergängen oder von Ausflügen um die Natur zu erkunden, drücke ich mich immer. Naja, fast immer.

Neulich erhielt ich einen Überraschungsbesuch, eine alte Schulfreundin, die schon lange im Ausland lebt, schaute bei mir vorbei. Wir tranken gemütlich einen Kaffee und sie berichtete mir von ihrer zweiten Heimat Finnland. Der Liebe wegen ist sie damals nach Finnland gegangen, „die Liebe ging verloren, doch Freunde blieben“ so erklärte sie mir die Entscheidung dort zu bleiben. Wir redeten über die Schulzeit, die Streiche die wir zusammen ausheckten und plötzlich sagte sie „ich wusste gar nicht mehr, wie schön meine alte Heimat ist“ und sie seufzte leise, nahm einen Schluck Wasser und meinte „könnten wir morgen auf den Grünberg gehen?“

Ich war sprachlos, auf den Grünberg gehen wiederholte ich entsetzt, ich glaube … sie unterbrach mich sofort „und zum Laudachsee, am Rückweg könnten wir uns noch die Aussicht vom Baumkronenweg gönnen“. Ihre Euphorie kannte keine Grenzen, ich war sprachlos, ich stammelte nur „gehen, meinst du wirklich gehen auf den Grünberg?“ Meine Schulfreundin nickte. „Mir zuliebe“ bettelte sie und sah mich fragend an.

Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon hinkend und mit Blasen an den Fersen, schnaubend wie ein altes Pferd, den Berg hinauf quälen. „Bitte“ sagte sie noch einmal und sah mich mit ihren großen Kulleraugen an. Ich konnte leider nicht nein sagen.

Um acht Uhr am nächsten Morgen parkten wir das Auto in Gmunden und marschierten los. Meine Freundin plapperte die ganze Zeit, wie schön es hier ist, ich konnte nichts mehr sagen, mir ging die Puste aus. Nach einer Stunde musste ich mich hinsetzen, ich war fertig. Ich war hochrot im Gesicht, der Schweiß lief mir in die Augen und wir hatten noch nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft. „Du musst die Aussicht genießen“ riet sie mir, DIE war mir im Augenblick ziemlich egal. Nach einer längeren Pause, als ich mich halbwegs erholt hatte, gingen wir weiter, etwas langsamer, ich hatte jetzt mehr Luft, jedoch auch Blasen an den Fersen, wie befürchtet. Jeder Schritt war eine Qual.

Als ich die Seilbahnstation, mit Müh und Not erreichte, beneidete ich die Menschen, die aus den Gondeln stiegen. Sie waren alle entspannt und fröhlich, ich war fertig, sogar fix und fertig. Den Marsch zum Laudachsee haben wir uns geschenkt, der Rundgang am Baumkronenweg bereitete auch mir wieder Spaß. Die Aussicht war super, ich war wieder versöhnt. Vom Berg ins Tal fuhren wir mit der Gondel.

Bei jedem Mail das ich von ihr erhalte schreibt sie, wie schön es in Österreich ist und wenn sie wieder einmal zu Besuch kommt, möchte sie wieder einen Ausflug mit mir unternehmen. Das überlege ich mir noch.

© Gina 2019-04-11

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