skip to main content

#kampf#dumm#verzweiflung

leere Versprechungen

  • 187
leere Versprechungen | story.one

Meine Augen schauen fasziniert auf ein Wahlplakat, wÀhle uns, wir sind die Besten, wir versprechen alles,

Mindesteinkommen und leistbare Mieten,

Reichensteuer und Bankentrennung, in Spekulationsbanken unabhÀngig von GeschÀftsbanken.

Ich bleibe stehen und ĂŒberlege, der rote Faden lĂ€uft quer, oder lĂ€uft er waagerecht, oder vielleicht sogar senkrecht, durch das Plakat, der abgebildete Mann darauf lĂ€chelt, jedoch ist dieses LĂ€cheln nicht, irgendwie, wie soll ich es treffend beschreiben, hinterfotzig gewinnend,

oder verzweifelt nach Wahlstimmen ringend,

oder gleichgĂŒltig, weil alles sowieso nur leere Versprechungen sind?

Ich versuche, in den Augen des Mannes mehr zu erkennen, vielleicht ist er auch nur eine Marionette der Partei, der bloß, lĂ€chelnd mit dem Kopf nicken muss, wenn er den Befehl bekommt?

Oder ist es pure Verzweiflung, ĂŒber den aussichtslosen Kampf weil die Umsetzung dieser Versprechen sowieso an den anderen Parteien wieder scheitet?

Oder ist es die GleichgĂŒltigkeit gegenĂŒber den WĂ€hlern, die ja sowieso zu dumm sind, den politischen Durchblick zu haben?

Oder ist es vielleicht Arroganz, das blöde Volk verdient nicht meeeehr?

Ich gehe weiter, bloß ein paar Schritte, da laufe ich auf das nĂ€chste Wahlplakat zu, alles in grĂŒn gehalten, die Schrift, das Kleid, der Lidschatten und natĂŒrlich die BĂ€ume im Hintergrund,

miteinander, nicht gegeneinander, sei tolerant und verstÀndnisvoll, Migration ist gefragt.

Mir wird schlecht, das FrĂŒhstĂŒck dreht sich im Magen um, ich fange an zu laufen, damit ich keine Wahlplakate mehr ansehen muss, oder soll ich die Augen schließen, nein das könnte fatal enden.

So lauern die Plakate auf uns WĂ€hler, hinter jeder Ecke, bei jeder Haltestelle, neben jeder Telefonzelle, immer wieder, jedoch immer in einer anderen Farbe, und natĂŒrlich mit anderen Buchstabenkombinationen, man muss sich doch besser prĂ€sentieren als der Gegner der daneben klebt.

Total erschöpft erreiche ich mein trautes Heim, meine Schuhe fliegen im weiten Bogen in die Ecke, die Tasche landet unsanft auf dem KĂŒchenboden, der Salat kugelt dabei unter den Tisch, das ist mir jetzt alles wurscht.

Ich drĂŒcke ein Knöpfchen, der Kaffee duftet verfĂŒhrerisch und ich schalte das Radio ein, doch es kommt keine Musik, nein, eine Werbesendung einer Partei zur bevorstehenden Wahl, das kann doch nicht sein.

Ich laufe auf der Straße vor den Plakaten davon, sie erscheinen mir sogar im Traum, ich habe nicht mal zu Hause meine Ruh, ich nehme einen Schluck Kaffee und ĂŒberlege kurz, alle Wahlversprechen, wĂŒrden sie nach der Wahl in die Tat umgesetzt, das wĂ€re das schönste an einem Wahlversprechen.

© Gina 2019-04-11

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.