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#burnout#selbsthilfe#psychischekrankheit

Das Burnout meines Bruders

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Das Burnout meines Bruders | story.one

Leider wird die Krankheit Burnout auch heute noch manchmal als ›Modekrankheit‹ bezeichnet. Viel zu schnell sagen manche: „Ich hab ein Burnout“, andere wiederum belächeln es, wenn sie erfahren, sie oder er leide an einem Burnout. Nur jene, die tatsächlich völlig ›ausgebrannt‹ am Ende ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit angelangt sind, wissen, wie es sich anfühlt, an Burnout erkrankt zu sein. Nicht wenige aber wollen es nicht wahrhaben, nicht mehr ´zu können´ – ausgelaugt und völlig am Boden zu sein. Andere wiederum wischen es beiseite, geben vor, es wäre alles in bester Ordnung. Selbst dann, wenn sie neben dem Burnout auch an einer mittelschweren bis schweren Depression leiden …

Und genau so war es auch bei meinem Bruder, Henri. Eigentlich heißt er Heinrich, aber er wurde schon seit Kindheitstagen von uns allen Henri gerufen. Seine Freunde haben diesen Namen dann wie selbstverständlich übernommen.

Henri, der als Junge alles andere als sportlich war, begann mit sechzehn Jahren, ohne ersichtlichen Grund, plötzlich seinen Körper in Form zu bringen. Mit jedem Kilo, das der bis dato übergewichtige junge Mann verlor, steigerte er seinen Trainingsehrgeiz um ein Vielfaches. Nur wenige Jahre später war er einer der Besten in seiner Sportart, die das Land aufzubieten hatte. Auch beruflich kam er voran; durch Fleiß, Ausdauer und eine bemerkenswerte Portion Ehrgeiz. Mein Bruder, der in Wahrheit mein Zwillingsbruder ist, stand mit beiden Beinen im Leben und versuchte stets, alles unter einen Hut zu bringen. Für ihn war Perfektion nicht nur eine Floskel. Er strebte geradezu nach ihr. Kritik wollte oder konnte er nur sehr schwer als konstruktiv ansehen und verwerten. Vieles jedoch in seinem Job, auf Führungsebene, lief seiner Ansicht nach nicht rund. Einer seiner Vorgesetzten nervte ungemein. Anstatt diesem einmal gehörig die Meinung zu geigen, weil er, Henri, tatsächlich im Recht war, schwieg er. Viel zu oft! Magenschmerzen, bis hin zu Fieberschüben, ohne zusätzliche Krankheitssymptome, ließen dann nicht mehr lange auf sich warten. Mehr und mehr verlor mein Bruder die Freude an seiner Arbeit, aber auch in seiner Freizeit. Dies ging so weit, dass er sogar die Freude am Leben verlor. Ein erholsamer Schlaf wurde zur Ausnahme. Henris einstige Lebensgeister schwanden nach und nach. Es dauerte lange, beinahe zu lange, bis er auf Anraten seiner Frau ärztliche Hilfe in Anspruch nahm. Als dieser ihm die Diagnose Burnout mit einhergehenden Depressionen mitteilte, wusste er zunächst nur wenig damit anzufangen.

Henri trat vorzeitig in den Ruhestand und änderte radikal Lebensstil und Lebensgewohnheiten. Entschleunigung war angesagt. Er wandte sich mehr und mehr schönen Dingen zu, die seine Seele nach und nach heilten. Es dauerte Jahre, bis er sein Burnout samt Depressionen völlig überwunden hatte – ohne Medikamente!

Die Geschichte von Henri ist wahr. ICH aber bin nur im Sternzeichen ein Zwilling …

© Harald Hartl 2021-08-28

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