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#gesellschaft#verunsicherung#zukunftunsererkinder

Gesellschaft

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Gesellschaft | story.one

Ich schreibe sehr gerne über Begebenheiten, die mich interessieren und von denen ich annehme, sie könnten auch andere Menschen interessieren, vielleicht sogar im Herzen, in der Seele, berühren - sie bewegen. Über viele Dinge des Lebens mach ich mir Gedanken - über positive wie auch über negative. Obwohl ich im Laufe meines nun doch schon etwas fortgeschrittenen Lebens gelernt habe, das Glas eher halb voll zu sehen und Gegebenheiten, die ich ohnehin nicht ändern oder verändern kann, zu akzeptieren und nicht allzusehr an mein Gemüt zu lassen, bereitet mir manchmal dennoch so einiges Kopfzerbrechen …

Neulich traf ich mich mit einem guten Freund. Mit einem sehr guten Freund. Mit meinem besten Freund, weil der einzig wirkliche! Es ist eine Freundschaft auf totaler Augenhöhe, geprägt von Aufrichtigkeit, Vertrauen und absoluter Loyalität dem jeweils anderen gegenüber. Wir sehen einander nicht täglich. Auch nicht wöchentlich. Aber wir versuchen zumindest einmal im Monat bei einem gemütlichen Treff und manchmal auch einem tiefsinnigen, in jedem Fall aber wertschätzenden Gespräch, ein wenig Einblick in die eigene Gefühlswelt zu gewähren. Natürlich unterhalten wir uns auch über Belangloses ebenso wie über Dinge, die nur für unsere vier Ohren bestimmt sind.

Neulich war es wieder soweit. Nach wenigen Minuten schon begann mein Freund, seine Stirn in noch tiefere Falten zu legen und legte los: “Ich ertappe mich immer öfter dabei, anderen Menschen aus dem Weg zu gehen”, sagte er plötzlich hart. Es war der Auftakt einer Abrechnung mit dem Hier und Heute aus der Sicht eines Menschen, der mit beiden Beinen im Leben steht und auf den man sich blind verlassen kann, hat er einen einmal ins Herz geschlossen. Er klagte, dass die Welt sich in den letzten Jahren aus seiner Sicht so sehr zum Schlechteren verändert habe. Ich musste nicht nachfragen, um zu verstehen, was er damit meinte. Mehrmals nickte ich stumm und pflichtete ihm damit vollends bei. Er meinte, dass viele Menschen ihre Empathie, so sie jemals eine besaßen, über Bord geworfen hätten. Dass eine Ellenbogentechnik in der Gesellschaft eingezogen wäre und man sich nur auf sehr sehr wenige Menschen wirklich verlassen könnte. Seit Bestehen der gegenwärtigen Pandemie gäbe es einen spürbaren Riss in der Gesellschaft und im “ach so sozialen” Netzwerk würde sich ein grauenvolles Sittenbild der heutigen Zeit spiegeln. Menschen würden dort beleidigt, beschimpft, verspottet und vernadert werden. Gerüchte würden gestreut werden und Verleumdungen stünden an der Tagesordnung - vorrangig von Menschen, die augenscheinlich mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß stünden. Mein Freund ärgerte sich sehr über diese gesellschaftlichen Auswüchse und brachte seine Bedenken, ja, sogar seine Angst zum Ausdruck, welch grausame Welt kommende Generationen vorfinden könnten. Er meinte, darüber sehr besorgt zu sein und den Glauben an das Gute mehr und mehr zu verlieren.

Ich widersprach nicht!

© Harald Hartl 2021-10-28

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