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#glück#schicksalsschläge

Glück oder Unglück

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Glück oder Unglück | story.one

Je älter ich werde, desto mehr beschäftigen mich sonderbare, vielleicht manchmal sogar skurrile Gedanken. Vielleicht ist das auch nur dem Umstand geschuldet, dass ich mir für das ›Denken‹ generell mehr Zeit nehme, oder aber es ist ganz normal, dass im Laufe eines Lebens Oberflächlichkeit Tiefsinnigem weicht. Bei mir jedenfalls ist es so und schon der Gedanke, warum ich jetzt mehr denke als noch vor etlichen Jahren, gibt mir zu denken.

Wie nahe sich im Laufe eines Lebens Glück und Unglück, himmelhochjauchzend und zutiefst bedrückt, sein können, will ich anhand einiger Beispiele veranschaulichen:

Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wäre ich im Alter von zirka zehn Jahren, bei einem Badeausflug mit meinen Eltern, vom Steg eines Badesees, nicht kopfüber um wenige Zentimeter neben, sondern direkt auf einen knapp unter der Wasseroberfläche befindlichen Holzpfahl gesprungen? Wäre es an dieser Stelle bereits wieder zu Ende gewesen, weil ich möglicherweise einen Genickbruch erlitten hätte? Oder hätte ich mir dabei einen Halswirbel gebrochen und mein weiteres Leben in einem Rollstuhl verbringen müssen? Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Was ich aber weiß, ist, dass es unverantwortlich war, mehrere Holzpfähle eines ehemaligen Stegs nicht zu entfernen.

Oder warum trifft es bei feigen, hinterhältigen Terroranschlägen manch Unschuldigen, während andere um Haaresbreite dem sicheren Tod entrinnen, weil eine Kugel sie denkbar knapp verfehlt. Warum hat der eine Glück, gerade die paar Minuten früher oder später mit seinem Auto losgefahren zu sein und so dem Geisterfahrer im Tunnel nicht zu begegnen, während ein anderer frontal gegen diesen kracht. Und warum verfehlt der Dachziegel, der krachend auf den Gehsteig stürzt, das vorbeilaufende Kind um Haaresbreite, während ein anderes bei diesem Unglück sein junges Leben verliert? Die Liste derartiger Unglücksfälle versus Glücksfälle ließe sich unendlich lange fortsetzen. Die Frage nach dem Warum kann dennoch niemals schlüssig erklärt werden.

Neulich hat mein Freund mir deutlich vor Augen geführt, wie nahe Glück und Unglück im Leben beieinander liegen können. Seine Geschichte zeigt einmal mehr, was wirklich wichtig im Leben ist, und was nicht. Er hatte sich um eine Stelle beworben, die ihn zum einen in eine höhere Position hieven und zum anderen eine spürbare Gehaltserhöhung einbringen würde. Dann jedoch wurden nach einer simplen Vorsorgeuntersuchung eine Reihe weiterer Untersuchungen notwendig. Ein schlimmer Verdacht, der möglicherweise sein Leben völlig verändern, im schlimmsten Fall beenden könnte, wurde vom Arzt geäußert. Mit einem Mal war die mögliche Beförderung kein Thema mehr. Alles drehte sich nur um eines: Wie würde das Ergebnis der Untersuchungen lauten? Letztlich hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Das dunkle Etwas am Bildschirm des Arztes erwies sich als gutmütiges Knötchen.

Ob Glück oder Unglück – wir müssen nehmen was kommt!

© Harald Hartl 2021-09-02

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