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#kinder#großeltern#liebe

Großvater

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Großvater | story.one

Für eine lange Zeit in meinem Leben dachte ich, niemals Großvater zu werden. Mit 61 jedoch verkündete, für uns völlig unerwartet, unser jüngerer Sohn die Frohbotschaft, dass wir Oma und Opa werden. Ich denke, dass ich die große Freude über diese wunderbare Nachricht eher still genoss und kaum sichtbar machte. Aber sie war zweifellos vorhanden. Der zukünftigen Großmutter erging es wohl ebenso. Ein Jahr später wiederholte sich das Großelternglück. Dieses Mal machte uns unser Älterer erneut zu Großeltern. Wieder ein Bub. Ein weiteres Jahr später erhielt unser erster Enkel einen Bruder, und in wenigen Wochen werden wir ›große Eltern‹ von vier strammen Jungs sein: Vier, drei, zwei und null Jahre alt!

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass wir sehr aktive, junggebliebene, Zeit unseres Lebens sportliche und daher überaus fitte Großeltern, Mitte sechzig, sind. Aber behaupten das nicht alle Omas und Opas? Während wir die zwei Jungs unseres jüngeren Sohnes aufgrund größerer räumlicher Distanz leider nur sehr selten sehen, wohnt unser zweitgeborener Enkelsohn mehr oder weniger um die Ecke. Dennoch nehmen wir das keinesfalls zum Anlass, täglich bei der jungen Familie anzutanzen. Wir besuchen uns gegenseitig, wenn die Jungen, oder wir Alten Sehnsucht danach verspüren, oder wenn wir einander bei etwas behilflich sind; oder, wenn der Enkel, mit seinen nunmehr drei Jahren, es einfordert.

Niemals mischen wir uns in die Erziehung ein. Bei keinem! Natürlich gäbe es das eine oder andere, das ich – für Oma möchte ich nicht sprechen – anders machen würde. Heute! Aber haben wir nicht alle das Recht “Fehler” zu machen? Und wer sagt, dass nicht die Eltern richtig liegen und die Großeltern falsch? Viele meiner Generation vertreten die Meinung, wir wären erfahrener als die Jungen. Okay, das ist wahrscheinlich nicht von der Hand zu weisen. Aber gibt uns das etwa das Recht, unsere Kinder nicht ihre eigenen Erfahrungen bei ihren Kindern machen zu lassen? Nein! WIR haben nicht alles richtig gemacht bei der Erziehung unserer Kinder und diese werden ebenso nicht alles richtig machen, wenn sie unsere Enkelkinder großziehen. Mit dieser Erkenntnis fahren wir sehr gut. Gerne gebe ich einen Ratschlag, wenn dieser erwünscht ist. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da – zu jeder Zeit. Ich liebe meine Enkelkinder sehr, dennoch bin ich froh, sie nicht immer um mich haben zu müssen. Dazu fehlt mir längst schon die Energie und ich empfinde es als sehr angenehm, wenn nach einer Zusammenkunft mit den Kindern und Enkelkindern – vor allem, wenn alle auf einmal zu Besuch sind –, ich gemütlich alle Viere von mir strecken und mit Oma, die ich im Übrigen liebe wie mit zwanzig, und unserem superlieben Labrador-Schnauzer-Mischling, einfach nur das Leben genießen kann.

Ich behaupte, ein liebevoller Opa zu sein, der stets versucht hat, seinen Jungs Werte fürs Leben zu vermitteln, und der, so er Gelegenheit dazu bekommt, es bei seinen Enkelkindern gleichtun möchte …

© Harald Hartl 2021-08-26

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