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#endlichkeit#jenseitserfahrungen#wachtraum

Zeit zu gehen

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Zeit zu gehen | story.one

Die Frage, wann der Zeitpunkt kommen wird, um alles Irdische hinter sich zulassen, an dem es Zeit ist zu gehen, um in eine andere Dimension einzutreten, stellen sich wohl viele Menschen im Laufe ihres Lebens. Bei manchen sind Gedanken, die sich mit der Endlichkeit des Lebens und der Frage nach dem Danach besch├Ąftigen, nicht selten st├Ąndige unliebsame Begleiter. In Wahrheit wei├č niemand, was uns >dr├╝ben< erwarten wird. Eine bislang nicht gekannte Gl├╝ckseligkeit in einem farbenfrohen Paradies vielleicht, oder auch nur eine immerw├Ąhrende Finsternis, losgel├Âst von allem, was das Leben ausmacht? Einer m├Âglichen Antwort darauf n├Ąher sind jene, die bereits an der Schwelle zur Unendlichkeit gestanden oder wom├Âglich, ihren Wahrnehmungen nach, diese sogar ├╝berschritten und dem Tod ins Antlitz geblickt haben.

Am fr├╝hen Morgen eines tr├╝ben Septembertages f├╝hlte ich mich ziemlich unwohl und am liebsten h├Ątte ich das Bett den ganzen Tag ├╝ber nicht verlassen. Pflichtbewusst wie ich war, stellte ich mich den stressigen Herausforderungen des beruflichen Alltags. V├Âllig ausgelaugt und missmutig kam ich sp├Ątabends todm├╝de nach Hause und beschloss, alsbaldig K├Ârper und Geist einen erholsamen Schlaf zu g├Ânnen; nicht ahnend, wie sehr diese Nacht mein weiteres Leben ver├Ąndern sollte.

Alle waren sie da: Meine Eltern, die zu mir sprachen und mit mir lachten. Sie waren jung und offenbar gl├╝cklich. Auch mein Bruder und meine Schwester, beide einige Jahre ├Ąlter als ich, schienen gut gelaunt und zufrieden zu sein. Dass sie augenscheinlich im gleichen Alter wie meine Eltern waren, lie├č mich keinen Gedanken daran verschwenden, dass all das nicht real sein konnte. Ich war gl├╝cklich, mit ihnen vereint zu sein, obwohl ich wusste, dass sie alle l├Ąngst verstorben waren. Aber nicht nur meine Familie war hier, auch mein alter, stets aus dem Maul stinkender Kater, den ich erst vor einigen Jahren beerdigt hatte, verlangte nach Zuwendung. Ich war ├╝bergl├╝cklich, dass auch meine beiden geliebten Hunde, die ich so lange schmerzlich vermisst hatte, mir jaulend ihre Liebe bekundeten. Sie alle waren bereits vor langer Zeit von mir gegangen.

Am R├╝cken liegend und unf├Ąhig, mich zu bewegen, scheiterten s├Ąmtliche Versuche, aus einem m├Âglichen Traum zu erwachen, kl├Ąglich. Ich war davon ├╝berzeugt, soeben ins Jenseits ├╝bergetreten zu sein. Dabei empfand ich ein mit Worten nicht zu beschreibendes Gl├╝cksgef├╝hl, all jene Menschen und Tiere wiederzusehen, die ich liebte und deren Ableben mir gro├čen Seelenschmerz verursacht hatte.

Ein Arzt, dem ich mich anvertraut und ihm versichert hatte, dass es kein Traum im herk├Âmmlichen Sinn gewesen sein konnte, vermutete, dass es sich um eine Schlafl├Ąhmung gehandelt haben k├Ânnte. Eine vorr├╝bergehende verminderte Sauerstoffzufuhr k├Ânnte der Ausl├Âser f├╝r eine Art >Nahtoderfahrung< gewesen sein.

Wie auch immer: Dieses einzigartige Erlebnis hat mir jegliche Angst vor dem genommen, was >danach< kommen k├Ânnte.

┬ę Harald Hartl 2022-03-04

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