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#kinder#natur#umweltpolitik

Tag der Mutter Erde

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Tag der Mutter Erde | story.one

Alles neu macht der Mai – Wahrheit oder frommer Wunsch? In der Natur zeigt sich zu dieser Jahreszeit auf der Nordhalbkugel der Erde das neue Leben, nach dem langen kalten Winter. Die Tage werden länger, die Pflanzen treiben neu aus und blühen und in der Tierwelt gibt es viel Nachwuchs. Ja darauf ist Verlass. Jahr für Jahr. Der Monat Mai ist ein Marienmonat, es gibt viele kirchliche Feiertage, er ist ein höchst beliebter Heiratsmonat und wir feiern Muttertag.

Ja, dieser Muttertag, ein Tag voller Erwartungen, Enttäuschungen, Kränkungen, Freude und Leid, einfach so das pure Leben zusammengefasst auf einen Tag.

Ich für meinen Teil habe jeden Tag Muttertag und auch meine verstorbene Mama hat jeden Tag Muttertag, wenn ich an sie denke. Aber so einfach ist die Sache nicht. Ehrentage sind dazu da, dass man etwas Besonderes daraus macht. In den Anfängen vor ca. 160 Jahren stand der Muttertag im Zeichen der Frauenbewegung. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde aus einem Gedenktag für eine Mutter, ein Ehrentag für Mütter. Per Verordnung aus dem Jahr 1938 bekamen Mütter des Deutschen Reiches sogar einen Orden „das Mutterkreuz“, wenn sie mindestens vier Kinder lebend geboren hatten. Aus heutiger Sicht, etwas bizarr anmutend.

Die Ursprünge der Mutterverehrung lassen sich aber bis in die Mythologie zurückverfolgen. Rhea, die Tochter von Gaia, der großen Erdmutter, wurde bereits als Mutter der Götter und Menschen verehrt. Ziemlich beeindruckend, finde ich.

Stellt sich für mich jedoch die Frage, warum es bis 1970 gedauert hat, dass auch die Mutter Erde international einen eigenen Ehrentag erhalten hat, nämlich den 22. April? Vielleicht liegt es daran, dass es durch die Jahrtausende ohnedies genug „Erntedankfeste“ weltweit gab. Tatsache ist, dass wir an diesem Tag, uns bewusst mit der Mutter Erde und ihrem Befinden auseinandersetzen sollten.

Da wären wir wieder bei der Sache. „Mutter und Erde melden sich nicht krank, sie nehmen ….“, so das Patentrezept der Werbung. Die Liste, wie wir den Müttern und der Mutter Erde helfen können, damit sie nicht schlapp machen, oder gar kollabieren, ist unendlich. Liebliche Gedichte und große Reden, ein fein gedeckter Tisch und ein plastikfreier Planet, eine schöne Karte und teure Zertifikate, all das zum Ehrentag für Mutter und Erde.

Wir alle sind ungezogene Kinder, einmal mehr, einmal weniger. Der Tadel der Mutter ist nicht als Strafe zu verstehen. Nein, wir sollten es besser machen, nicht immer die gleichen Dummheiten, oder gar zum Trotz, noch mehr zerstören.

Ich versuch´s mit dem Anfangssatz: Alles neu macht der Mai und diesmal pflück´ ich zum Muttertag keine Blumen für die Vase, sondern lege mich zu ihnen ins Gras.

© Heidemarie Leitner 2021-05-04

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