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Meckermann

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Am Flughafen fanden wir gleich den Mann mit dem Schild. Er meinte, wir könnten schon mal Geld wechseln. Eigentlich Unsinn, weil wir doch "all inclusive" gebucht hatten. Aber meine Frau meinte, ein Kaffee oder eine Ansichtskarte seien eben noch nicht dabei und so wechselten doch ein paar Euro.Nicht bedacht hatten wir, dass der dreckige Bursche, der meinen Koffer zum Bus zerrte, schon ein Geldstück wollte und meine Frau täglich mehrmals Kleingeld brauchte, um sich von den Klofrauen wieder freizukaufen. Ich wählte meistens die Baumvariante und zog mit wahrscheinlich dabei den Groll Allahs zu. Das ganze Land macht einen recht unansehnlichen Eindruck: Straßen ohne Gehsteige, Häuer ohne Dächer, Männer mit Handtüchern auf dem Kopf, Frauen mit langen Kitteln und Kinder ohne Schuhe. Ja und der Dreck! Ich sage euch, Erde und Staub, wohin man blickt, einfach grauenhaft. Gottseidank hatten wir einen hohen Bus und fuhren schnell, um die Armut nicht sehen zu müssen. Aber die Leute sind selber schuld, sie tun ja auch nichts: sitzen am Straßenrand oder auf einem Esel, Frauen lachen und balancieren Krüge auf dem Kopf, Männer rauchen und die Kinder halten immer ihre Handflächen her, wahrscheinlich ihre hellsten Stellen. Furchtbar!

Unser Hotel “Zur faulen Dattel” war voller Ausländer, Zimmer im 5. Stock, sehr klein, getrennte Betten oder besser gesagt getrennte Hängematratzen, aber Blick auf´s Meer. Oh ja, das Meer! Ach ja, es ist schon schön zu reisen und die Welt kennenzulernen: Das Land, die Menschen, ihre Kultur und eben überhaupt. Ich entdeckte noch eine Minibar mit Coca Cola und einen Fernseher mit CNN, BBC, Al-Jazeera und ZDF! Ilse, wir haben es wieder einmal gut erwischt!Das Abendessen war aber ein Fiasko: Riesiges Buffet mit lauter fremdem Zeug. Schon die Gerüche der Suppenkessel verdrehten einem den Magen. Die gelben, grünen, violetten, hell- und dunkelbrauen, die scheckigen und die blassen Häufchen von gekochten und rohen Dingen, die heißen und die kalten Töpfe, Schüsseln, Terrinen und Platten verhießen alle nichts Gutes! Nirgends ein Schnitzel oder ein Knödel. Am Ende der Tafel fanden wir wenigstens Torten, Kuchen und Kekse. Doch Durchfall hatten wir dann trotzdem wie die anderen auch.Warum muss eigentlich der Pfarrer bei denen immer so laut vom Turm herunterschreien? Ist eine Zumutung sondergleichen. Reingegangen sind wir dann in so eine Moschee sowieso nicht, wegen der lächerlichen Trennung von Männer und Frauen. Die Männer sind hier aber sehr verantwortungsbewusst. Sie regeln den Verkehr und sorgen für Ordnung, sie sitzen in Teehäusern und diskutieren über Sicherheit und Waffen und machen eben die Politik und Kultur.In unserem Hotel gab es ein schönes Geschäft mit bunten Tüchern, Silberreifen, Taschen und Schnitzereien.Meine Frau griff immer wieder nach einer roten Ledertasche und ich hatte mir schon einen kleinen Dolchausgesucht. Ilse machte noch ein Foto, denn zu Hause wollten wir ja zeigen, wo wir waren.

© Herwig Wolf 2021-01-23

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