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#freiheit#vertrauen#krise

Ist wirklich alles für die Katz?

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Ist wirklich alles für die Katz? | story.one

In eine solch turbolenten Zeit wie heute ist es nicht immer einfach einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das dachte sich auch Ilse, als sie letzten Freitag zu ihrem Liebilngsitaliener ging um eine Pizza zu essen.

Jedenfalls war sie der überzeugung, dass ein weniger italienisches Lebensgefühl ihre depressive, schwermütige Stimmung verbessern könnte. Zumindest half das bis jetzt immer recht gut.

Nachträglich zu ihrem Geburtstag, der in der Corona Krise war, hätte sie auch allen Grund sich etwas zu gönnen.

Mit diesen Gedanken bewaffnet war klar, dass es nicht nur bei einer Pizza bleiben würde, sondern sicher auch das eine oder andere Glas Rotwein in sie hineinfließen würden.

Gerne hätte sie ihre Mama mitgenommen, diese verbarikadiert sich aber nach wie vor in ihren 4 Wänden. Warum? Aus Angst.

Die gleiche Angst, die Millionen von Menschen gerade mit ihr teilen. Also wenigstens ist sie nicht alleine damit.

Nun gut, Freitag abend, 19.00, Pizza von Mauthausen. Ein netter Italiener, einige wenige Touristen, davon cirka die Hälfte mit Maske und ein paar bauchfreie Teenager Girls, die ihr Leben noch vor sich haben.

So war Ilse auch einmal, damals vor 20 Jahren, als sie noch nichts von Leid und Angst wusste, als sie abends, wenn sie aus dem Fenster sah die Sterne beobachtete und felsenfest wusste, dass eines Tages ihr Traumprinz auf dem weißen Ross daherreiten würde.

Heute, mit 45 sieht sie das etwas anders. Der Prinz lässt noch immer auf sich warten und ihre engste Vertraute, ihre Mutter sitzt in einem eigens angefertigtem Gefängnis, das aus einer Mischung von Angst und Unsicherheit genährt wird.

Lebensverlängerd, wird sich das auf ihr Leben sicher nicht auswirken, denkt sich Ilse. Neben einer großen Ladung Pasta gesellt sich nun noch ein ordentliche Portion Selbstmitleid hinzu.

Sperrstund 23.00, etwas trunken wackelt sie nach Hause und setzt sich an diese noch lauen Sommerabend auf ihre Terrasse, um den Abend ausklingen zu lassen.

Die Sterne läuchten wie damals vor 20 Jahren, die Luft ist rein und die Stille wirkt fast magisch. Auch wenn ihr Geist etwas bewässert ist, steigt in ihr ein klares Gefühl auf, das gleiche Gefühl wie damals. Die gleichen Sterne, das gleiche Gefühl. Sie vergisst ihren melodramatischen Alltag und schreibt auf einen Zettel:

Liebe Ilse, ich schreibe dir heute, am 24. August 2020 diesen Brief, der dich in 20 Jahren noch darin erinnern soll, durch welches Tal du damals gelaufen bist. Nicht nur du, sondern die ganze Welt.

Unsicherheit, Angst und Panik waren damals an der Tagesordnung.

Eine Krise. Eine Krise aus der du stark herausgegangen bist, weil du dich damals an diesem Abend daran erinnert hast, dass die Sterne auch in 20 Jahren noch läuchten werden, und dass das Gefühl deiner inneren Freiheit dir niemand nehmen kann.

Blicke nach vorne und vertraue auf deine innere Stimme. Werde öfter still und schau öfter in den Sternenhimmel.

Es ist nichts umsonst und auch nie zu spät damit anzufangen.

In Liebe, die Kleine von damals.

© insanftenHaenden 2020-08-26

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