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Was ich mir wünsche.

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Was ich mir wünsche. | story.one

Jeder von uns trägt doch seinen eigenen Rucksack an Erfahrungen, Erlebnissen und Verletzungen mit sich. So spreche ich einerseits von meinen eigenen Erfahrungen, aber auch von denen die mir tagtäglich in der Praxis begegnen. Oft sind es nur beiläufige passierte Alltagssituationen, die in uns Menschen tiefe Wunden verursachen können, welche im Allgemeinen oftmals abgetan werden: Man solle nicht so empfindlich sein, man solle sich nicht so aufführen, und schon gar nicht solle man seine Meinung sagen, oder gar sagen wie man sich fühlte. Einfach nur schweigen und hinnehmen. Und leiden. Oft ein Leben lang.

Mir ist ganz klar, dass viele Menschen auf der Welt kein so gesegnetes Leben haben wie wir in Österreich. Und das viel Gejammere wirklich nicht nötig ist. Das meine ich aber nicht. Ich rede von tiefen seelische, emotionalen Verletzungen, die unser Leben zu tiefst prägen und leiten.

Es bringt mich sehr zum Nachdenken, wenn ein kleines Kind zu mir sagt: “Ich möchte wieder in Mamas Bauch, weil da tut es nicht so weh.” Aber es sind nicht nur die Kinder, es sind auch die Erwachsenen deren Leben viele Jahre davon geprägt ist, was sie in der Kindheit beschlossen haben über sich selbst zu denken. Und das, was sie da beschlossen haben, über sich zu denken, beruht eben sehr oft auf den pädagogisch nicht wertvollen Aussagen von Lehrern, Erziehern, Verwandten oder auch den eigenen Eltern.

Natürlich wissen oder wussten sie es nicht besser und sind eben auch selbst nur verletzte Kinder. Daher sind Beschuldigungen und Verurteilungen zwar im ersten Moment nachvollziehbar, jedoch keine Lösung. Das einzige, was hier helfen könnte, wäre sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, aufzuräumen und sich Zeit für die Heilung der eigenen Wunden zu nehmen.

So können wir uns alle immer wieder fragen: Behandle ich meine Mitmenschen mit Respekt? Nehme ich die Bedürfnisse meines Gegenüberwahr, oder stehen nur meine eigenen Erwartungen und Ansprüche im Vordergrund? Spreche ich aus meinem Herzen oder aus meiner Wunde?

Gerade jetzt in einer Zeit, von sozialer Distanzierung, Angst und Ungewissheit, ist das etwas, das jeder für sich selbst und sein Umfeld tun kann. Denn Frieden beginnt immer im eigenen Haus. Bei dir. In dir.

Es ist wohl ein Trugschluss, zu glauben, dass irgendwann irgendwer kommt und sagt: “Jetzt ist Frieden. Alles ist wieder gut.”

Und auch Freiheit beginnt irgendwie bei uns selbst. Denn niemand kann uns verbieten Verantwortung für unser Leben, unsere Worte und unsere Taten zu übernehmen. Diese Freiheit haben wir immer.

Ich wünsche mir, dass wir achtsamer, warmherziger und respektvoller im Umgang miteinander werden. Und zwar genau dort, wo wir sind. Dort wo wir unmittelbar Einfluss auf unser Leben haben und auf gewisse Weise auch auf das Leben von anderen: zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Einkaufen oder in der Straßenbahn.

Und dann zu staunen über die Wärme und das Lachen, das aus Augen strömen kann, denn Augen lügen nicht.

© insanftenHaenden 2021-01-02

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