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#lebensfreude#reisen#italien

Riesenschildkröten, Nuraghen, nette Busfahrer

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Riesenschildkröten, Nuraghen, nette Busfahrer | story.one

„Hier in Sardinien ist es genauso traumhaft wie in der Karibik“, erklärte mir die junge Frau am Strand, „es fehlen nur die Palmen!“ „Aber dafür alleine lohnt sich die lange Anreise dorthin nicht“, ergänzte ihr Freund. ‚Also alles richtig gemacht‘, denke ich mir und lehne mich zurück. Heute hatten wir einen Strandtag eingelegt und mein fünfjähriger Sohn buddelte begeistert im Sand. Mit strahlenden Augen beobachtete er die Fische und Krabben, sammelte Muscheln und ausgefallene Steine. Erst gestern hatten wir eine Wanderung unternommen und riesige Schildkröten entdeckt. Federico war hell auf begeistert. Und versuchte auf diesen gemütlichen Tieren zu reiten. Das Reptil nahm es gelassen hin.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus zu den berühmten Nuraghen. Ich fragte beim Einsteigen den Busfahrer, wo wir am besten aussteigen könnten. „Bei den Nuraghen gibt es keine Bushaltestelle. Aber ich halte einfach an und setze sie an der Straße ab.“ „Oh, das wäre sehr nett“, antwortete ich begeistert. Auf die Frage, wo wir wieder zu steigen könnten, erklärte er mir, dass er in etwa zwei Stunden zurückkäme. Wir sollten bloß an der Straße warten.

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich Jahre später in Padua. Mein Mann, unsere Tochter und ich warteten an einem Busbahnhof. Eine Gruppe Touristen fragte einen Busfahrer, der just anhielt, welchen Bus sie nehmen müssten, um an einen speziellen Ort zu gelangen. Sie verstanden ihn allerdings nicht. Da winkte er sie in den Bus hinein und fuhr mit ihnen zu einer anderen Bushaltestelle gegenüber des Platzes und erklärte, dass sie hier aussteigen und an dieser Stelle auf den nächsten Autobus warten müssten. So freundliche Busfahrer findet man leider nicht jeden Tag.

Nachdem Federico und ich uns eine der 700 sardischen prähistorische Turmbauten, die zwischen 2500 und 4000 Jahre alt sind, angesehen hatten, spielten wir gemeinsam vor der Nuraghe. So verging die Zeit ausgesprochen schnell, bis wir uns an den vereinbarten Platz stellten. Der Busfahrer hielt wahrhaftig an und wir stiegen zu.

Im Bus saß eine Gruppe junger Mädchen, die vollkommen begeistert von meinem bildhübschen Sohn war. Ich verstand jedes Wort und wurde mit jedem Kompliment ein Stück größer. Doch plötzlich hörte ich eines der Mädchen erwähnen: „So ein bezaubernder Junge, das kann man von der Mutter aber nicht sagen.“ Ich war so entsetzt und sprachlos. Zurück im Apartment prüfte ich sofort mein Aussehen im Spiegel. Trotz allem ließ ich mir die Freude an diesem großartigen Tag nicht vermiesen und zog mein schönstes Kleid an. Heute wollten wir in einer kleinen Trattoria direkt am Meer essen gehen. Bisher waren wenige Restaurants geöffnet, befanden wir uns derzeit in der Vorsaison. Bei dem schmackhaften Essen habe ich schnell den Kommentar des Mädchens vergessen. Die Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters.

© Irene Hülsermann 2021-04-26

Bella Italia

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