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Zum Glück (2 / 2)

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Zum Glück (2 / 2) | story.one

Manchmal erzählen sie mir, wie es dir geht. Und es geht dir gut. Aber was bedeutet es schon, wenn es jemandem gut geht. Nur, dass er zu feige ist, zuzugeben, wie unfair das leben doch manchmal sein kann. Aber vielleicht rede ich mir das nur ein, und du führst ein unbeschwertes Leben und ich antworte weiterhin gut, danke und selbst während ich nicht mal mehr versuche meinen eigenen Worten Glauben zu schenken.

Ich habe dich auf Händen getragen, wenn du nicht da warst und dich tief fallenlassen, wenn wir im selben Raum waren. Die Selbstverständlichkeit deiner Präsenz war es, die mich glauben ließ, du würdest für immer bleiben. So habe ich aufgehört, mich deiner zu bemühen und dir nur noch erzählt. Erzählt um zu reden, aber eigentlich wurde nichts gesagt. Denn da, wo früher immer Worte zwischen uns lagen, war schlussendlich nur noch stille, die wir mit Floskeln füllten.

Und so sitze ich hier, heute, schreibe von dir. Du bist in jedem Wort, der schmerz des Verlassenwerdens liegt tief. Du hast mir gelernt, dass ich lieben kann, und es nach einem Ende, keines geben muss. Gesehen habe ich dich nicht, auch nicht gehört oder gesprochen, aber du warst in jedem meiner großen Momente, in all meinen tiefen Fällen. Alleinsein tut weh, wenn man es zuvor nicht gewesen ist. Verlassen zu werden, vor allem dann, wenn es dein Gesicht trägt. So halte ich dich hoch, in Erinnerung schwelge ich mit jedem Tagtraum, der wie ein Film vor meinen Augen passiert.

Aber wie du heute klingst, das weiß ich nicht mehr. Denkst du an mich, oder kennst du meinen Namen noch. Weil wenn, würde ich mir sagen: zum Glück.

© Iris Adelt 2021-02-23

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