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#selbsterkenntnis#segeln#kroatien

Klarmachen zur Wende

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Klarmachen zur Wende | story.one

Mein erster Segeltörn lag vor mir und ich war aufgeregt. Wir trafen uns in Kroatiens nördlichstem Segelrevier, in Istrien. Wir, das waren sechzehn Personen verteilt auf zwei Segelboote. Gechartert hatte die beiden Segelyachten ein dröhnender und maritimer braungraubärtiger Mann, der eine beachtliche Anzahl an Seemeilen hinter sich zu haben schien und der Skipper unseres Bootes war. Seine Haut erschien von der Sonne und dem vielen Segelwind fast ebenso gegerbt, wie seine alte Leder-Cap, sein Outfit zweckmäßig und sein schwäbischer Dialekt wollte so gar nicht zu seinen Äußeren passen.

Unsere Crew bestand neben Käpt´n Ahab, wie ich den Skipper taufte, aus dessen Frau, vier weiteren Personen und meinem neuen Freund, den ich erst seit sechs Wochen kannte. Sein Kumpel war kurzfristig von dem Törn abgesprungen, dafür war jetzt ich mit an Bord.

„Ich habe keine Ahnung vom Segeln“, warnte ich ihn vor.

„Ich auch nicht wirklich“, sagte er und nahm mich in den Arm.

Nachdem die Utensilien an Bord gebracht waren, stellte der Skipper klar, dass alle verpflichtet seien, mit anzupacken und Fehler Einzelner immer auf die gesamte Crew zurückfielen. Er schwadronierte über das Wendemanöver, das jeder von uns üben würde, Luv und Lee und dem Krängen eines Segelbootes, sprach von Klampe, Poller und Fender, von der Trimm, den Fallen und der Schot, von Großbaum und Großsegel. Er ließ uns auf Zeit Achtknoten, Webleinstek, Kreuzknoten und den unverzichtbaren Palstek üben und ich war überfordert, waren doch die einzigen Begriffe, die ich bisher kannte, Bug und Heck, Backbord und Steuerbord. Er schwor uns ein, dass wir die Strecke bis zur Kvarner Bucht und wieder zurück völlig unabhängig vom Wetter segeln werden und lachte donnernd.

„Klarmachen zur Wende!“ Ich stand nervös am Steuerrad und kurbelte es, passend zum Befehlston, explosiv herum.

„Um Gottes willen, nicht so stark!“, blaffte Käpt´n Ahab und ich hielt erschrocken inne. Er schubste mich beiseite und übernahm das Ruder, um zu retten, was noch zu retten war. Doch es half nichts. Ich hatte die Wende versaut und statt eines rasanten Weitersegelns nach gelungenem Kurswechsel, schaukelte das vierzehn Meter lange Boot nun gemütlich vor sich hin.

Völlig entspannt saß ich da und genoss die Ruhe, während eine leichte Meeresbrise meine Nase umwehte. Die genervten Gesichter der anderen ausblendend wusste ich, dass für meinen nächsten Urlaub kein weiterer turbulenter Segeltörn in Frage käme, sondern eine entspannte Zeit ohne Wende, Luv und Lee.

© IrisDChris 2021-02-23

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