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#liebe

Parallelwelten - Teil 1

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Parallelwelten - Teil 1 | story.one

Wenn sie weinte, dann war es, als würden Welten implodieren. Sie weinte leise und in sich hinein, sodass sie niemand hören konnte. Und wenn man es kaum hörte, so konnte man es doch spüren. Man spürte das Beben der Erde und man roch den Schmutz in der Atmosphäre. Man sah, wie dick die Luft wurde. So dick, als konnte man nicht einen Schritt hindurchgehen. Er wollte auch nicht gehen, wenn es bedeutete von ihr wegzugehen. Welten starben und er musste sie alle retten. Er fühlte, als hätte er mit ihr zu gehen, wenn sie das nicht überlebte. Der Einfluss, den Eli auf sein Leben hatte, glich dem eines Schutzengels, nur, dass er zweifelsfrei wusste, dass sie real war. Er wusste es, weil er ihren Schmerz spüren konnte, wie er seinen spürte.

In all der Zeit, in der er Eli kannte, hatte er nichts als Liebe für sie empfunden. Zumindest war er davon überzeugt. Mittlerweile aber fing er an, sich zu fragen, ob es denn überhaupt Liebe sein musste. Ja, der Gedanke an sie ließ sein Herz anders schlagen. Jedoch nie verliebt, einfach nur anders. Keine Schmetterlinge, sondern Kometen im Bauch. Sie war wie biblisches Feuer, unmöglich zu erklären, und nur mit der Seele zu begreifen. Aber ein Schatten lag über ihr. Durch all das Leuchten in ihren Augen sah er den Kummer, der sie von innen beherrschte.

Eli fürchtete, verdammt zu sein. In all der Zeit, in der sie ihn kannte, hatte sie nichts als Liebe für ihn empfunden. Mittlerweile aber, war der Schmerz zurückgekehrt und er saß tiefer und brannte stärker als jemals zuvor. Sie musste verdammt sein. Ihr wurde zwar gesagt, sie wäre gesegnet, doch ihr Herz brannte nicht, weil es den Sternen so nahe war. Es hatte die Hölle in sich geschlossen, weil verdammte Herzen keinen Frieden kennen dürfen.

„Bist du nervös?“

„Ja.“

„Ich will dich retten.“

„Das sollst du nicht.“

„Ich glaube, ich muss.“

Er sagte solche Dinge immer wieder. Anfangs berührten sie Elis Seele an Stellen, die sie totgeglaubt hatte. Dann fühlte es sich an, als würde er etwas in ihr wieder zum Leben erwecken. Er musste nicht viel dafür tun. Seine Worte waren genug um sich selbst zu bewahrheiten. Aber die Wahrheit erwies sich als eine hartnäckige Gegnerin.

Wenn er solche Dinge jetzt sagte, dann spürte sie nichts mehr, außer Schwäche. Sie konnte nicht stehen, wenn er sie nicht hielt. Sie konnte nicht reden, wenn es nicht er war, der ihr sein Ohr lieh. Sie konnte nicht schlafen, wenn sie dabei nicht seinen Atem hörte. Sie konnte nicht sein, ohne bei ihm zu sein.

Fortsetzung in Parallelwelten - Teil 2

© BLU 2022-03-24

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