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#burnout#durchhalten#innererkampf

Endkampf

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Endkampf | story.one

Kennen Sie das, wenn sie einfach so richtig K.O. sind? Wie nach einem langen schweißtreibenden Boxkampf? Sie haben schon vier mal eins auf die Fresse bekommen und ihr linkes Auge juckt, aber sie können sich nicht kratzen weil sie mit ihrem Boxhandschuh nicht richtig herankommen. Ihr Gegner tanzt ihnen leichtfüßig und nervtötend weiter vor der Nase herum, bis sie schließlich den finalen Schlag zwischen die Augen bekommen.

Da liegen sie, in ihrem eigenen Schweiß und etwas Blut und wissen nicht mehr wohin sie schauen sollen, da sich nur noch alles dreht. Es dreht und dreht sich und sie warten auf den Gong, der diesen Kampf beendet und sie zum Verlierer erklärt. Aber er bleibt aus.

Sie liegen dort völlig benommen und fertig in einem Chaos aus Hektik, Kampfgeist und Rückschlägen aber sie haben noch nicht verloren. Nicht mal aufgegeben haben sie, dafür müssten sie sich ja schließlich erstmal wieder aufrappeln. Sie stöhnen laut in der Hoffnung jemand würde darin einen Hilferuf erkennen und dem ganzen endlich ein Ende setzen, aber niemand will es beenden oder sie final erschlagen.

Ihr Gegner tanzt weiterhin über ihnen herum und nun gesellen sich auch noch ein paar wütende Zuschauer dazu, die enttäuscht über ihre Leistung und ihre Schwäche sind und sich über ihren Schweißgeruch beschweren. Sie liegen dort auf dem kalten Boden des Boxrings und starren völligst erledigt in das Neonlicht. Zusammengeschlagen, niedergeschlagen aber eben nicht erschlagen. Die Ruhe sie kommt nicht, egal wie lange sie in das Licht starren. Schließlich entscheiden sie sich wieder aufzustehen.

Dort stehen sie, mit blauen Knien und geschwollenem Auge und versuchen elegant dem Gegner, der natürlich schon wieder auf Hochtouren ist, auszuweichen. Sie wissen nicht wie ihr Gegner all diese Energie aufbringt, sie wissen nur, dass sie sich jede Minute übergeben werden. Sie rennen nun im Kreis, dicht gefolgt von ihrem Gegner und überlegen, ob sie es länger als er durchhalten. Sie hetzen, flitzen und schlagen Haken, doch er verfolgt sie wie ein prustender Schatten, dicht an ihren Fersen klebend. Erste Buh-Rufe aus dem Publikum, die sich nach ein paar weiteren Gewalt-Szenen lüsten.

Sie erkennen, während sie da so im Viereck rennen, dass sie das nicht ewig aushalten können und bleiben schließlich stehen. Doch kurz bevor sie sich umdrehen wollen, um sich ihren Gegner zu stellen, fliegt dieser schon in sie hinein und die aufgebaute Spannung entlädt sich in einem Zähne kostenden Knall. Sie sind beide K.O. am Boden. Ohne Sieger und mit viel Enttäuschung für das Publikum. Sie schauen sich mit ihren blau gehauenen Augen an: Wer steht als erster wieder auf seinen zwei Beinen? Sie kämpfen sich hoch, noch gibt es keinen Sieger. Schließlich stehen sie und schreien mit einem letzten Kampfschrei: Ich kann einfach nicht mehr!

Und da sitzen sie: In einer Straßenbahn mit Schweißflecken unter den Achseln, tiefen Augenringen und werden von allen anderen nur kopfschüttelnd angesehen.

© Isabelle Konrad 2021-02-23

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