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#freiheit#lebensfreude#mord

Nora Steehl – Beobachtung bei Nacht (2)

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Nora Steehl – Beobachtung bei Nacht (2) | story.one

Nach einer ausgiebigen Dusche, bei der sie schon den ersten Teil des Stresses abwusch, zog sie sich ein figurbetontes, rotes Sommerkleid an und kämmte sich ihre Haare zu einem hohen Pferdeschwanz. Zur Abrundung des Ganzen legte sie noch ein leichtes Make-up in Nudetönen und passendem roten Lippenstift auf.

So stand sie nun, in ihrem hellblauen Rollstuhl sitzend, vor dem Spiegel und betrachtete die junge Dame, die ihr entgegenblickte. Sie fühlte sich wirklich hübsch und sexy, doch dieses Gefühl hatte sie nicht jeden Tag. Zu oft war ihr schon erklärt worden, dass man als Rollstuhlfahrerin nicht zu sexy angezogen sein darf und man doch lieber zurückhaltender sein sollte. Solche Aussagen hatten Nora schon oft verschreckt und doch versuchte sie immer wieder aus ihrem Loch herauszukommen, um der Welt zu zeigen, dass sie trotz ihrer Reifen eine schöne, liebenswerte und vor allem sexy Frau sein konnte.

Kurz nach 17 Uhr kam Nora auch schon bei ihrem Stammpub an. Da Sheffield aus vielen alten Gebäuden bestand, war es gar nicht so leicht ein barrierefreies Pub zu finden, doch nach einigen Nieten, hatten sie das „Green Devil“ zu ihrem Stammlokal auserkoren.Marco und Kerry saßen schon an ihrem Lieblingstisch neben dem Eingang, von dort aus ließen sich die hereinkommenden Gäste am besten beobachten, denn so konnte ihnen kein niedlicher Mann entgehen.

Das Marco auf Männer stand störte Nora noch nie, nur, dass er denselben Männergeschmack hatte wie sie, machte es immer zu einem kleinen Konkurrenzkampf. Wobei sie Marco immer den Vortritt ließ, da Nora sowieso die meiste Zeit dachte, kein Mann würde sich für sie, aufgrund ihres fahrbaren Untersatzes, interessieren. Michelle kam nur wenige Minuten nach Nora zur Türe herein und der Kellner brachte ihnen, schon ganz ohne Bestellung, vier kühle Guinness, die Vorteile eines Stammlokales.

Der Abend war wunderbar und wurde länger als gedacht. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, bewerteten das „Frischfleisch“ das zur Türe hereinkam und was am allerwichtigsten war, lachten bis ihnen die Bäuche weh taten. Nora konnte spüren, wie von Minute zu Minute der Stress komplett von ihr abfiel.

© JeanMuhr 2021-07-21

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