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Zuckerbäckerin mit Herz und Seele

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Zuckerbäckerin mit Herz und Seele | story.one

"Wow! Diese Torte schmeckt fantastisch und schaut wunderschön aus!", war der Grundtenor der Gäste bei der Hochzeit meines Stiefsohnes. Meine Partnerin, die Bräutigam-Mutter, ließ sich vom Hochzeitspaar überreden, eine dreistöckige Torte anzufertigen. Wochen der zuckerbäckerischen Vorbereitungen sind dem großen Ereignis vorangegangen. "Wie bekomm ich das mit der Stabilität der drei Stockwerke hin? Welche Cremen mach ich? Wie verziere ich die Torte?" Diese und ganz viele weitere Fragen beschäftigten meine Partnerin. Und eine spezielles Problem war auch noch nicht gelöst: Wie transportiert man die Torte von Salzburg in die Südsteiermark?

Sie wäre nicht meine geliebte Partnerin, wenn sie nicht für alles eine Lösung finden würde. Probetorten, die wir alle gerne verköstigten, und Recherchen zur Frage, wie man eine standfeste dreistöckige Torte hinbekommt, führten schließlich zu einem unglaublich gelungenen Ergebnis. Ein wunderbar schmeckender Traum aus Mehl, Zucker und Früchten.

Die Aufforderung der Hochzeitsgäste war der nächste logische Schritt: "Du musst mehr aus deiner Kunst machen!" Für meine Partnerin folgten Überlegungen beruflich-existenzieller Natur. "Wie kann ich das Backen mit meinem Job in einem Industrieunternehmen in Einklang bringen?" Der Entschluss, den Lehrgang "Konditor im zweiten Bildungsweg" zu besuchen, brachte den Stein ins Rollen. Der Gedanke, sich als Zuckerbäckerin selbstständig zu machen, setzte sich fest.

Sich als Unternehmerin in Österreich selbstständig zu machen, ist aufgrund der in diesem Land herrschenden Vorschriften, Regelungen und Gesetze eine Mammutaufgabe. Da braucht es einen langen Atem, um alle bürokratischen Hürden nehmen zu können.

Auch wenn meine Partnerin nicht Löwin im Sternzeichen ist, sie kämpft wie eine. Der erfolgreich absolvierte Lehrgang war als Qualifikation nicht genug, um sich selbstständig zu machen. Voraussetzung ist der Meistertitel. Also kündigte sie ihren sicheren Job und nahm an einem Meisterkurs teil. Lange Wochen des Lernens und Übens beherrschten den Alltag. Für uns in der Familie hatte diese Zeit den Vorteil, immer mit bester Patisserie versorgt zu werden.

Höhepunkt dieser langen Lern- und Übungsphase: die Meisterprüfung. Der theoretische Teil ging problemlos über die Bühne. Die mündliche Prüfung bestand sie mit Bravour. Große Aufregung gab es beim praktischen Teil. Wie schafft man es, ein Meisterstück aus Schokolade, zwei Torten, 36 Stückdesserts, 72 Pralinen, sieben Marzipanfiguren und drei Tellerdesserts in zwei Tagen herzustellen? Höchste Konzentration und genauestes Arbeiten bis zur letzten Sekunde – und dann die Beurteilung durch die Jury. Anspannung bis zur "Urteilsverkündung". Lobende Worte der Prüfer. GESCHAFFT!!! Und damit die Berechtigung, in Österreich als Zuckerbäckermeisterin selbstständig zu werden. In Kürze wird eine Konditorei mit himmlischer Patisserie eröffnet.

© Jeff 2020-09-27

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