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#wunscherfüllung#glücklichsein#urlaubsfreuden

Angkor Wat

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Angkor Wat | story.one

Anna und ich hatten Glück. Für die Weiterreise nach Kambodscha fanden wir in Bangkok ein Taxi für wenig Geld, das uns auf direktem Weg zur Grenze fuhr. Der Grenzübertritt in Poipet war beeindruckend: Massen drängten dicht über die Grenze. Noch nie hatte ich Menschen erlebt, die einen Ochsenkarren mit eigener Kraft ziehen. Es folgte die Einreisezeremonie, während der unsere Reisepässe durch die Hände von mindestens acht kambodschanischen Grenzbeamten wanderten. Wenig später ging die Fahrt zügig weiter über die staubige Piste nach Siem Reap. Dort mieteten Anna und ich ein Zimmer in einem kleinen französischen Hotel mit kleinem Pool inmitten eines hübschen Gartens. Am Abend saßen wir in der Pub-Street inmitten unzähliger Backpacker. Es herrschte eine phänomenale Partystimmung.

Am folgenden Morgen brachen wir lange vor Sonnenaufgang auf. Das Tuktuk wartete bereits. Savoeun, unser Fahrer, lenkte das Gefährt sicher über zahlreiche Schlaglöcher. Angkor Wat erreichten wir in der Dunkelheit. Zahlreiche Touristen versammelten sich in angemessenem Abstand vor dem eindrucksvollen Tempelbau. Einige suchten sich ihren Weg mit Taschenlampen, andere hatten ihre Fotoapparate auf Stative für das ultimative Foto montiert. Wir saßen etwas abseits auf den Stufen eines Pavillons und warteten, bis die ersten Sonnenstrahlen die Dächer der Türmchen in Glitzer tauchten. Später ergatterten wir einen Platz auf der oberen Galerie und beobachteten den Besucherandrang in der größten Tempelanlage der Welt.

Mit dem Besuch der Tempelruinen von Angkor Wat erfüllte ich mir einen Kindheitstraum. Unzählige Stunden zog ich mich während meiner Jugendzeit an den Waldrand nahe meinem Elternhaus zurück. Versteckt unter den schweren Ästen einer alten Eiche saß ich dort im Schutz des Baumschattens und las an einem Nachmittag versunken in meine Lektüre über die sagenumwobene Stadt. Meine Gedanken weilten in weiter Ferne. Ich träumte mich in eine mir neue ganz eigene Welt.

Ich schätzte mich glücklich, Anna an meiner Seite zu wissen. Ihr umsichtig sensibler Umgang als Archäologin mit Fakten beeindruckte mich zutiefst. Überwältig von den Steinmetzarbeiten schritten wir die Galerie im Erdgeschoss der Tempelanlage ab. Anna erläuterte mir die Hintergründe der Reliefs, erzählte aus dem Ramayana-Epos und wies mich auf Details hin, die mir ohne sie entgangen wären.

Weitere Besichtigungen folgten: Angkor Thom, der Bayon, Ta Prohm, die Terrasse der Elefanten und die des Leprakönigs. Anna wurde nicht müde, von einem Tempel zum nächsten zu fahren. Sie fotografierte unentwegt. Wir kletterten die steilen Stufen einiger Tempel hinauf, genossen die Aussicht und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Zum Sonnenuntergang schließlich verweilten wir einträchtig mit hunderten weiterer Touristen weit oben auf dem Plateau des Phnom Bakheng und erblickten in der Ferne die rötlich schimmernden Dächer des Nationalstolzes Kambodschas.

© Jens Hanisch 2021-02-12

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