skip to main content

Berühren oder Abstand? …

  • 69
Berühren oder Abstand? … | story.one

Schreiben oder Treffen?

Die Zeiten sind wie sie sind. Sie bringen uns dazu etwas in einem Ausmaß zu genießen, an das ich früher nicht so gedacht hätte - es nicht einmal geahnt hätte.

So schreiben wir uns, anstatt uns zu treffen. So halten wir Abstand, anstatt uns zu berühren. Meistens.

Und alles dazwischen. Wir schreiben uns nicht nur. Wir treffen uns auch - selten, aber doch. Einmal alle heiligen Zeiten und selbstverständlich getestet. Hätte man den Ernst der Lage auch in den 80ern und 90ern so erfasst, hätte es damals vielleicht HIV Tests gegeben, bevor man auf ein Date geht. Aber ok, es ist wohl leichter keinen Sex zu haben, als keine Aerosole zu verbreiten.

Doch zurück zum Schreiben. Unser Schreiben ist oft der Wahnsinn, oft Banales, aber immer ein Eingehen aufeinander. Unsere Treffen sind anders. Zumindest die Gespräche sind, wenn wir uns treffen, total leicht, manchmal sind wir beide nervös und die Themen drehen sich rein um Alltägliches, ein bisschen um unser Leben früher, unsere Arbeit, den Moment, die Natur, aber nie um Tiefergehendes. Gehen sie tiefer, weichen wir beide sofort aus. Unkompliziert soll's sein. Ist es auch. Der/Die andere darf so sein, wie er/sie ist. Da wartet man auch mal aufeinander - ohne Erwartungen. Weil man ja “eh findet”. Wen denn? Was denn?

Uns.

Und wenn man sich gefunden hat, ist da immer die Frage - Umarmung oder nicht? Bei uns ist alles dabei. Von keine Umarmung, Abstand auf der Couch und dann waren da doch Hände und mehr zu: Okay, wahrscheinlich ist es dann sicherer sich draußen zu treffen. Erschrieben, getan.

Draußen ist es dann so, dass wir gut aufeinander aufpassen, aber mit Worten und Spüren. Berührt oder umarmt wird gar nicht - nicht mal zur Begrüßung. Nur rein zufällig Berührungen, wenn Kaffeebecher überreicht werden oder man eine Jacke hält. Was täten wir ohne Corona? Keine Ahnung. Das macht es ja auch alles so spannend und schön.

Eine sehr seltsame Zeit, die Achtsamkeit und uns emotional sehr nahe bringt und gleichzeitig physisch (und teilweise emotional) auf Abstand hält. Oder wir UNS.

Foto von Elia Pellegrini / Unsplash. Danke :-)

© Johanna Meri 2021-05-04

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.