Liegestuhl
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In meiner verträumtn Gartenhüttn steht im hintersten Eck a bunter Liegestuhl. Er lahnt dort an da knorrigen Bretterwand unbeachtet seit viele Jahr.
Amal wollt ihn mei Tochter schon zum Sperrmüll gebn und elegant entsorgn. Des hab i rechtzeitig verhindert. Jetzt bin i froh drum. Stell ihn zum ersten Mal im Garten auf.
Es is in da Fruah, die Vogerl zwitschern, des Gfühl lasst si kaum beschreibn. Gegnüber von mir, drei ehrwürdige Nadelbam, a Pockerl fallt auf den schmalen Weg.
Auf meiner rechtn Seitn blühn a paar rote Tulpn. Dahinter breitet si mei Hollunderstrauch aus. Den schätzt i sehr. Bringt er doch jene Früchte hervor, aus denen i im Herbst a köstliche Marmelad zauber.
I drah mi auf die andere Seitn. Mei Blick fallt unwillkürlich auf a paar junge Obstbam. Sie werdn ma in Zukunft viel Freud bereitn mit ihrem frischn Obst.
Plötzlich raschelt's hinterm duftenden Fliederstrauch. Da Nachbar breitet grad a Plane aus. A Stückerl weiter gleich beim Zaun hat sie a Fasan vasteckt. Er fliegt jetzt davon vor lauter Schreck. Zu guater Letzt summt a Biene um mi herum. I beobacht sie ganz stumm.
Mei Liegestuhl hat zwa bequeme Armlehnen. I gfrei mi, dass es ihn gibt. Hab durch ihn mein Gartn neich angschaut und Lust auf mehr kriegt. I werd ihn jetzt öfter hervorholn mein leinenbespannten Sitz, ihn auf vaschiedene Platzerl aufstelln. Amal im Schattn, dann wieder in der Sonn. Wias halt grad konveniert.
© Karl Ebinger 2020-02-22
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