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#leben#alltag#weltbleibwach

Wenn ich zaubern könnte...

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Wenn ich zaubern könnte... | story.one

*hex-hex* und alles läuft von alleine und wie geschmiert: Kindererziehung, Schmutzwäsche, Kochen, Geschirrspüler, Staubwischen, Katze füttern, Bürojob, Buch schreiben. Was auch immer.

Mit dem Zauberstab würde ich daneben stehen. Glücklich. So glaube ich. Würde zusehen, wie sich all diese Dinge von selbst erledigen und könnte… ja, was könnte ich dann?

So herausfordernd es als Alleinerziehende war, die Kindererziehungszeit, so unbezahlbar schön sind die Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten 15 Jahre. Manche glaubten, es „besser“ zu wissen, wie Erziehung zu funktionieren hätte. Doch ich blieb, im besten Wissen und Gewissen, meinem Erziehungsstil treu. Was du säst, das erntest du. Ich habe Liebe und Vertrauen gesät und meine Ernte ist großartig!

Die Jeans meines Sohnes, die ich soeben aus der Waschmaschine nehme, wird nicht mehr lange passen. Er wird so schnell groß. Ich denke an die vielen Hosen, die ich im Laufe der letzten Jahre aus demselben Grund aussortierte. Die hellblaue Baby-Latzhose hatte ich besonders gern. Meine Mutter auch – dieselbe Hose zog sie 17 Jahre zuvor meinem Bruder an.

„Mama, sind das die super leckeren Schnitzel, die du immer machst?“ Mein Sohn strahlt mich mittags an und füllt seinen Teller. Um nichts auf der Welt möchte ich dieses Gefühl eintauschen oder mit jemandem teilen – dieses Lob gehört mir!

Während ich die benutzten Teller in die Küche trage, fällt mir ein, dass meine Geschwister und ich früher abwechselnd den Geschirrspüler ausräumen mussten. Damit keiner von uns zu oft dran kam, klebte meine Mama einen Zettel mit unseren Namen auf die Abdeckung. Wir durften nach dem Ausräumen – als Beweis sozusagen – ein Stricherl zu unserem Namen malen. Ich kann mich gar nicht erinnern, ob einer von uns mal schummelte.

Beim Entstauben des Bücherregals fällt mir ein Buch auf. „Katharina – 15 Jahre“. Ich hatte es zu meinem 15. Geburtstag von meinen Eltern bekommen. Mein ältestes Buch, das ich besitze. Jetzt freue ich mich über einen neuen Schreibimpuls: Katharina – 37 Jahre.

An meinen Beinen spüre ich einen anderen Impuls: den „ich-will-gestreichelt-und-gefüttert-werden“-Stupser meines Katers. Als er vor 6 Jahren zu uns kam, war mir nicht bewusst, wie wichtig er einmal für uns sein würde. Während ich ihm das Futter hinstelle, kraule ich seinen Hals. Er liebt es. Ich liebe ihn.

In ein paar Tagen ist mein Urlaub vorbei. Ich mag meinen abwechslungsreichen Job in dem tollen Team und freue mich auf die Herausforderungen im kommenden Jahr.

Daheim genieße ich die Auszeit, sitze mit meinem Laptop am Fenster und schreibe. Gedanken werden zu Sätze, diese formen sich zu Geschichten und diese wiederum finden ihren Platz in meinem Buch. Wer sonst sollte mein Buch schreiben, wenn nicht ich?

Zauberstab? Daneben stehen? Nein, danke! Ich steh gerne mittendrin! Und betrachte glücklich mein zauberhaftes Leben, reich an wundervollen Menschen, magischen Momenten und schönen Erinnerungen für später.

© Katharina Tröstl 2020-01-03

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