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#computer#wissen#zufallsbegegnungen

Digital master

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Digital master | story.one

Waren noch vor 20 Jahren die Liebhaber neuester Digitaltechnik Nerds, gibt es sie heute tatsächlich: Ältere Herren mit weißen Haaren, Anzugträger, die digitale Endgeräte nicht nur bedienen können, sondern sie warten, Software aufspielen und bei Käufen beraten – gern unentgeltlich für weibliche Wesen ihres Umfeldes.

Wer jetzt glaubt, die Jungs von damals sind einfach älter geworden, hat sich schon rein arithmetisch verrechnet. Die damals zwischen Sechszehn- und Zwanzigjährigen sind meist noch nicht ergraut, sie haben es entweder geschafft – rauf auf die Karriereleiter – oder sie sind in ihren Tüftelbuden hängengeblieben und sehen vielleicht zwanzig Jahre älter aus, als sie sind.

Die weißhaarigen Anzugträger aber sind die, denen Gnade oder Fluch zuteilwurde. Zu spät sind sie geboren, um Digital Natives zu sein. Auch für den coolen Job auf digitaler Basis hat es nicht gereicht. Jedoch haben sie die Gefahr erkannt, abgehängt zu werden. Sie haben sich darauf gestürzt, Neues zu lernen, in rasanter Geschwindigkeit. Der legendäre Commodore 64 ist Ihnen ein Begriff. In basic haben sie noch programmieren gelernt. So sind sie in großen Unternehmen gefragt, die ebenfalls den digitalen Kinderschuhen entwachsen sind, aber noch Spielzeug von damals am Laufen halten.

Auf einer Abendveranstaltung in der Urania ist er ihr begegnet, ein Vertreter dieser sehr besonderen Spezies. Er war interessiert am Thema des Abends. Auch sie fand das Thema spannend. Die Referentin war allerdings rhetorisch so gestrickt, dass sie jedes Elternteil verzückt hätte, das mit geringem Schlafbedürfnis des Nachwuchses zu kämpfen hat. Da beide allerdings dem Schlaf zu entkommen suchten, trafen sie sich vor Ende des Vortrages im Vorraum. Er erzählte einiges über sein Tun. Das Thema digitale Endgeräte ergab sich ganz natürlich, denn ihre, mit dem teilverzehrten Obstsymbol Gekennzeichneten, brauchten dringend Zuwendung. Diese erhielten die Technischen fortan von ihm.

Nahe ihrer Wohnung gibt es sowohl einen Park als auch Wasser, um sich zu bewegen und Sauerstoff in die Zellen zu lassen. Lauschige Flecken, mit und ohne Bank, laden zum Verweilen und picknicken ein. Spaziergänge und Gespräche ließen Raum für Gefühle. Warum der Funke nie übersprang, bleibt wie so oft ein Geheimnis. Ihre Gebäcke, Dank für Pflege der Technischen, fanden Anklang bei ihm. Mehr konnte nicht daraus werden.

Die Frucht der Verführung durch Wissen war dem Vernehmen nach in der Bibel mehr als nur eine. Eine Traube soll es ursprünglich gewesen sein. Doch auch diese ist nur wohlschmeckend, wenn sie reif ist. Zur rechten Zeit zu wissen und die zündende Idee zu haben, bringt mehr Feuer als fortwährendes Klopfen auf den Stein … Busch.

© Kathrin Schink 2021-06-07

Wissensquell

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