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Gemeinsam in der Ackerfurche

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Gemeinsam in der Ackerfurche | story.one

Mit der großen Teekanne aus Ton in der Hand steht sie da und sinniert. Die Kanne erinnert sie an ein Treffen vor 15 Jahren:

‚Der Tee dampft. Die Köpfe rauchen. Es ist Januar 2020 und Zeit, dass sie sich Gedanken machen, was im März in die Erde soll. Keiner hier war bisher wirklich mit Mutter Erde verbunden. Sie sind ehemalige Städter: der Olsche beispielsweise aus Hamburg, sie selbst und der Schmiedelehrling aus Berlin. Der einzig Hiesige steuert wertvolle Informationen bei. Selbstversorgung wollen sie im gesundbronnenDORF, leben und arbeiten. Gemeinschaftlich wollen sie wirken: „Aus der Erde in die Erde“, diesen Spruch kennen sie von manchem Handwerker. Seine Bedeutung wird sich ihnen auf anderer Ebene neu erschließen.

Heubeete sollen es werden. Kartoffeln und Kürbisse sind gefragt. Äppel werden gebraucht. Die Hinterlassenschaft freundlicher Pferde zog ein kleiner Traktor auf den Acker. Sie können einer befreundeten Pferdezüchterin einen Ballen Heu abschwatzen. Logistik und Ausbeute sind abenteuerlich: Die Anfahrt im März endet fast im Sandloch und aus dem versprochenen Heuballen wird loses Heu, das es selbst aufzusammeln gilt. Der Verstand brabbelt zu Recht: Für eine Hand voll Heu!

Und doch, am Ende des Sommers, nach Aussaat und ohne Pflege, unter dem Haufen Heu, wartet der Schatz, damit sie ihn heben. Es sind dicke Erdäpfel, gelbe und rote. Gut liegen sie in der Hand. Zu jedem Nest gehören Große, Kleine und Winzlinge. Nach kurzer Zeit ist der Eimer voll, denn sechs Hände und sechs Füße buddeln und ernten. Es entsteht eine Food Coop, damit Bio-Lebensmittel für die Gemeinschaft und weitere verbundene Menschen gekauft werden können. Der nächste Bioladen ist 70 km entfernt, da lohnt es sich, selbst tätig zu werden.

Ein Jahr später, 2021, ist der Kontakt zu einer weiteren Selbstversorger-Initiative geknüpft. Die Kartoffeln dort erkennen sie neidlos als Giganten an. Sie ernten dort mit, da es auf ihrem Pachtland diesmal spärlich aussieht. Bohnen, Salate, Kohl – was das Herz an biologisch angebauten Köstlichkeiten begehrt, dürfen sie ernten und behalten. Eine gemeinsame Tomaten-Einkoch-Orgie ist der krönende Abschluss. Dies ist eine Verbindung, die hält.

Planen und Probieren gehen weiter. Der Olsche träumt vom Nutzhanfanbau. Wie es gehen kann, hat er keinen Plan. Er beliest sich. Weitere Selbstversorgungsinteressen haben sich gefunden und im Jahr 2027 können sich die Menschen der Selbstversorgerprojekte nahezu komplett selbst versorgen. Gut, dass sich fünf so gut vernetzt haben, dass einzelne Ernteausfälle nicht mehr ins Gewicht fallen. Was überschüssig ist, können sie verschenken.‘

Sachte stellt sie die Kanne ab. Noch ist es warm genug, dass sie die Außenküche nutzt. Wunderbar kann sie von hier beobachten, was im Dorf vor sich geht. Da kommen schon die heutigen Mitköche mit Körben frisch geernteten Gemüses. Das Brot hat sie schon in den Lehmofen geschoben. Ein Blech mit Pflaumenkuchen ist vorbereitet.

© Kathrin Schink 2022-02-02

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