skip to main content

#1sommer1buch#sommer#früchte

Goldgräberstimmung

  • 159
Goldgräberstimmung | story.one

Meine Füße laufen durch den sonnenwarmen Sand, dann Gras weich und feucht, Tannennadeln und Zapfenreste lassen mich vorsichtig auftreten. Ich stehe vor dem Haufen Heu, auf dem oben flach die trockenen Kartoffelstrünke liegen. Niedergesunken warten sie darauf, dass ich den Schatz unter ihnen hebe.

Lagenweise nehme ich das Heu ab, bin überrascht von dem regen Leben unter der Oberfläche: Regenwürmer, Tausendfüßer, Engerlinge, Ameisen … unzählige Lebensformen wimmeln über den dunklen feuchten Boden. Wunderbar fruchtbare Erde ist aus all dem entstanden, was ich im Laufe des Sommers übereinander geschichtet habe.

Da sind sie, die dicken Erdäpfel, gelbe und rote. Gut liegen sie in der Hand. Zu jedem Nest gehören Große, Kleine und Winzlinge. Ich sammle sie in den Eimer. Nach kurzer Zeit ist er voll, denn sechs Hände und sechs Füße buddeln und ernten. Die Erde dieses Beetes reist per Schubkarrenexpress zwei Beete weiter, wo wir sie sorgsam wieder mit Heu abdecken, um in Kürze Wintergemüse einzusäen.

Grünkohl, Möhren und Radieschen werden uns den Winter geschmacklich verschönern und uns mit Vitaminen versorgen.

„Mutter Erde will nicht nackig sein.“, hörte ich in einem Gartenbauvideo von Marie vom Wurzelwerk. Die Tiefe dieser Weisheit durfte ich dieses Jahr erfahren. Was es an Rasenschnitt gab, legten wir auf den unbewachsenen Boden, rund um die Pflanzen herum. So blieb der Boden darunter feucht und Schnecken hatten es schwer, wenn das Heu später getrocknet war.

Vor meinen Augen entstehen die leckersten Gerichte. Im Geiste sortiere ich schon mal die Kleinsten aus, um sie als Kartöffelchen mit Schale zu kochen und mit Kräuterquark zu servieren. Die mittelgroßen werden zu den verschiedensten Gerichten verkocht und die ganz großen werden im Ofen gebacken.

Ein Hokkaido-Kürbis leuchtet mich an. Wie ein orangefarbener Lampignon liegt er im Gras. Vorsichtig nehme ich ihn von der Ranke, denn noch trägt die Pflanze Blüten.

Der Himmel hat sich bezogen. Jetzt gilt es unsere Ernte ins Trockene zu bringen. Ich freue mich auf Himmel und Erde, goldene Kartoffelpuffer und danke meinen fleißigen Helfern.

© Kathrin Schink 2020-08-10

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.